„Insel der geistigen Freiheit“
Freitag, 29. Mai 2009
Karlspreis 2009: Renovabis gratuliert Professor Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant’ Egidio
MAGDEBURG. Einen maßgeblichen Anteil an der gewaltlosen Wende im Osten Europas hat Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth der Kirche zugewiesen. Zum Abschluss der Pfingstaktion des katholischen Osteuropa-Hilfswerks machte er deutlich, dass die Kirche in den kommunistisch regierten Ländern vielfach als „Insel der geistigen Freiheit“ empfunden worden sei. „Sie war das Schutzdach, unter dem sich die Opposition gegen das kommunistische System sammeln konnte“, so Demuth. Er äußerte sich am Freitag (29. Mai) vor Medienvertretern in Magdeburg. An der Pressekonferenz nahmen außerdem teil: der Magdeburger Bischof und Vorsitzende des Renovabis-Aktionsausschusses, Gerhard Feige, der griechisch-katholische Bischof Volodymyr Vijtyshyn von Ivano-Frankivsk in der Ukraine sowie die aus Deutschland stammende Ordensschwester Elisabeth Jakubowitz, die in Russland als Direktorin der Caritas Westsibirien in der Diözese „Verklärung des Herrn“ wirkt. – 2009 steht die Renovabis-Pfingstaktion unter dem Motto „Zur Freiheit befreit“. Renovabis erinnert damit an den 20. Jahrestag der politischen Wende im Osten Europas und lenkt den Blick auf die Verlierer des radikalen gesellschaftlichen Umbruchs.
Renovabis ist Antwort der Kirche auf Wende in Europa
Demuth erinnerte an den ersten Besuch des früheren Papstes Johannes Paul II. in seiner Heimat Polen im Jahr 1979. Am 2. Juni habe er bei einer Messe auf dem Siegesplatz in Warschau eine Predigt gehalten, die in die Geschichte eingegangen sei. Sie endete mit den Worten: „Sende aus Deinen Geist und erneuere das Angesicht der Erde!“ Damals habe es der Papst nicht bei diesem Zitat belassen, betonte Demuth. Vielmehr habe er die Worte hinzugefügt: „dieser Erde“. Dabei solle er kräftig mit seinem Hirtenstab auf den Boden gestampft haben. Die Menschen auf dem Siegesplatz hätten diese Botschaft verstanden, ebenso die kommunistischen Machthaber im damaligen Ostblock, so Demuth weiter. An diesem Tag sei die Veränderung eines Landes und ganz Europas eingeleitet worden.
Demuth erläuterte, dass das Zitat des Papstes aus Psalm 104 stamme und in der lateinischen Fassung laute: „Renovabis faciem terrae“. Als die deutschen Bischöfe im März 1993 eine Solidaritätsaktion mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa gründeten, hätten sie ihr den Namen „Renovabis“ gegeben. Damit hätten sie in gewisser Weise den Appell des Papstes wieder aufgenommen. Die Gründung von Renovabis sei auf Anregung von Laien erfolgt, welche die Zeichen der Zeit erkannt hatten. Demuth wörtlich: „Die Aktion wollte und will Antwort der katholischen Kirche im wiedervereinigten Deutschland auf die große und unverhoffte Wende in Europa sein.“
Hintergrundinfo zu Renovabis
Als „Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa“ rief die Deutsche Bischofskonferenz Renovabis im März 1993 ins Leben. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte die Gründung des Osteuropa-Hilfswerks angeregt. Die Geschäftsstelle von Renovabis befindet sich in Freising.
Renovabis unterstützt seine Partner in 29 Ländern des früheren kommunistischen Machtbereichs im östlichen Teil Europas bei der kirchlich-pastoralen, sozial-caritativen und zivilgesellschaftlichen Erneuerung. Seit 1993 half Renovabis bei der Verwirklichung von mehr als 17.000 Projekten mit einem Gesamtvolumen von über 470 Millionen Euro.
