Schule und Ausbildung – Wege aus der Armut
- Land: Rumänien
- Förderbereich: Soziale Aufgaben
Projektbeschreibung
Satu Mare (Sathmar), eine Stadt mit 140.000 Einwohnern liegt im Nordwesten Rumäniens. Neben Rumänen, Ungarn und Deutschen, gibt es einen hohen Bevölkerungsanteil an Zigeunern; ca. 2.500 von ihnen leben in dem Ortsteil „Micro 14“, der als sozialer Brennpunkt gilt. Die Familien leben in heruntergekommenen Wohnblocks auf engstem Raum, vielfach verfügen die Wohnungen weder über Strom, Wasser noch Gas. Gekoppelt mit dem Zusammenbruch des Kommunismus, der auch den Zusammenbruch des bestehenden sozialen Netzes und somit zunehmende Verarmung bedeutet, bildeten sich auf diesem Nährboden der sozialen und ökonomischen Defizite sämtliche Formen der Kriminalität und Verwahrlosung heraus.
Hier engagiert sich mit Unterstützung von Renovabis die Caritas der Diözese Satu Mare über das Tageszentrum „Haus der Freundschaft“. 2002 eröffnet und 2008 erweitert, ist es Anlaufstelle für über 70 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren, die hier ihre Freizeit verbringen und sich waschen können und in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung gestärkt und unterstützt werden. Voraussetzung für den Besuch des Hauses ist der regelmäßige Schulbesuch, wobei die Schülerinnen und Schüler beim Absolvieren der acht Schulklassen begleitet werden. Im Zentrum arbeitet ein Team von Pädagogen, Sozialarbeitern und Psychologen, die die Kinder individuell betreuen und den Eltern Beratung anbieten.
Beispiel: Giani - ein Junge von der Straße
Gianis Zuhause: Giannis Zuhause - ein verfallenes mehrstöckiges Gebäude am Stadtrand von Satu Mare.
Das Zuhause von Giani ist ein verfallenes mehrstöckiges Gebäude am Stadtrand von Satu Mare. Die Verkleidung fällt von der Fassade, Fensterhöhlen sind von Ruß geschwärzt wie nach einem Brand. Giani hat seinen Vater nie gekannt. Die alleinerziehende Mutter ist mit der schwierigen Situation überfordert. Nur zum Schlafen geht Giani nach Hause.
Als Schwester Maria von der Caritas Satu Mare ihn fand und über Tag mitnahm ins Kinderhaus, dauerte es Monate, bis aus dem spindeldürren, ernsten kleinen Jungen ein Kind wurde, das strahlte, das regelmäßig zum Essen kam und das Freude am Lernen hatte. Im Kinderhaus gibt es die einzige warme Mahlzeit am Tag für Giani und für über 70 weitere Kinder. Sie können sich hier waschen, bekommen saubere Kleidung.
Gianni kann sich im Tageszentrum waschen.: Gianni kann sich im Tageszentrum waschen
Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen helfen Lehrerinnen und Erzieherinnen Giani und den anderen Kindern, den Lernstoff zu schaffen. Die Kinderhäuser arbeiten mit den Schulen und den Eltern zusammen. Sie sorgen dafür, dass die Kinder regelmäßig zur Schule gehen und Nachhilfe bekommen. Nur ein Schulabschluss und eine Ausbildung können sie aus der Aussichtslosigkeit befreien. Die älteren Kinder und Jugendlichen eignen sich schon im Kinderhaus in Förderkursen Grundkenntnisse für verschiedene Berufe an und werden in Lehrstellen vermittelt. Auch sie brauchen Unterstützung damit sie eine Chance auf ein besseres Leben haben.
Projektbewertung
Das „Haus der Freundschaft“ ist ein wichtiges Angebot für die Kinder und Jugendlichen am Rand von Satu Mare. Die Erfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat gezeigt, wie sinnvoll es ist, mit der Betreuung und Begleitung der Kinder schon in einem jungen Alter zu beginnen.
Förderunterricht: Förderunterricht, damit Giani in der Schule mitkommt.
In den kommenden Jahren soll die Arbeit im „Haus der Freundschaft“ in bewährter Weise fortgesetzt und in einigen Punkten erweitert werden. So soll es 2009 Nachholkurse in Mathematik für Dritt- und Viertklässler sowie Lernunterstützung im Lesen für Erst- und Zweitklässler geben. Geplant sind außerdem Arbeitsgruppen zur Kommunikation, da die Kinder, die bereits in zweiter Generation unter sozialer Vernachlässigung leiden, immer größere Schwierigkeiten damit haben, miteinander zu kommunizieren. Es ist auch geplant, das Gemeinwesen stärker in den Blick zu nehmen und Programme für das Gemeinwesen in Kooperation mit anderen zu entwickeln.
Die Betriebskosten für das Zentrum lassen sich bereits aus Drittmitteln bestreiten, nicht aber die Personalkosten. 2010 tritt ein Gesetz in Kraft, nach dem die lokalen Verwaltungsbehörden Sozialdienste unter Vertrag nehmen und somit finanzieren könnten. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist damit für 2010 aber noch nicht zu rechnen, sondern frühestens ab 2011. Mit der Caritas Satu Mare steht ein langjähriger und sehr erfahrener Partner für das Projekt ein.
- Projektträger: Caritas Satu Mare
- Fördersumme: 80.700 EUR
- Bewilligungsjahr: 2009
- Projektlaufzeit: 2009-2010
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