Ein Zuhause für die behinderten Kinder von Gomel

Projektbeschreibung

Die Stadt Gomel in Weißrussland ist mit ihren 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Republik Belarus gehört zu den ärmsten Staaten in Europa. Der Atomreaktor in Tschernobyl liegt nur 120 Kilometer von Gomel entfernt. Durch die Nähe und die herrschende Wetterlage zum Unglückszeitpunkt der Tschernobyl-Katastrophe am 26. April 1986 war Gomel am stärksten von der radioaktiven Verstrahlung durch den Reaktorunfall betroffen.

Die umliegenden Dörfer der Stadt wurden nach der Katastrophe evakuiert. Für die 500.000 Einwohner von Gomel gab es jedoch keine Evakuierung: Sie waren den Strahlungen schutzlos ausgesetzt. Die gesundheitlichen Folgen für die Anwohner waren und sind gewaltig: Zahlreiche Menschen erkranken an Schilddrüsenkrebs und Leukämie und leiden unter Immunschwäche. Selbst nach mittlerweile fast 20 Jahren kommen noch immer auffällig viele Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen zur Welt.

Heute leben zwischen 200 und 300 behinderte Kinder unter unzureichenden Bedingungen in den großen staatlichen Heimen. Der Staat unterstützt diese nur begrenzt finanziell und ihre medizinische Versorgung und Frühförderung ist mangelhaft. Erschwerend kommt hinzu, dass in staatlichen Heimen Kinder nur bis zum 18. Lebensjahr versorgt werden. Eine weiterführende Betreuung gibt es nicht. Sie sind sich selbst überlassen oder kommen direkt ins Altenpflegeheim, wo es keinerlei therapeutische Förderung oder Rehabiliationsmaßnahmen gibt.

Zum ersten Mal geborgen: Das Kinderdorf in Gomel, Weißrussland

Im Jahr 1998 kamen polnische Benediktinerinnen (OSBSam) nach Gomel. Sie begannen, sich um schwer geistig behinderte Kinder in staatlichen Heimen zu kümmern. Ihnen lag viel daran, die Kinder zu fördern, ihnen menschliche Zuwendung und auch geistige Anregungen zu geben. Bereits nach wenigen Monaten zeigte sich, dass sich die Kinder besser entwickelten, seitdem sie von den Schwestern liebevoll und fürsorglich betreut wurden.

Allerdings haben die Ordensfrauen in den staatlichen Heimen kaum ein Mitspracherecht und sind in ihrem Wirken vom Wohlwollen der Heimleitung abhängig. Außerdem ist es ihnen verboten einzugreifen, wenn ihnen der Umgang des Personals mit den Kindern unangemessen erscheint. So wuchs sehr schnell der Gedanke, ein eigenes, kirchliches Heim für die Kinder zu errichten.

Nach langer Suche und zähen Verhandlungen konnte die örtliche Pfarrcaritas im Jahr 2005 ein geeignetes, vier Hektar großes Grundstück am Stadtrand von Gomel erwerben. Der Plan sah vor, an dieser Stelle ein Wirtschaftsgebäude, ein Schwesternhaus und fünf Wohnhäuser für jeweils zwölf Kinder zu errichten. Durch bürokratische Hindernisse verzögerte sich jedoch der Bau und die Kosten stiegen, den Projektpartner trifft aber daran kein Verschulden. In diesem Kinderdorf werden die Kinder in einer familiären Atmosphäre aufwachsen. Sie erfahren Wärme und Geborgenheit, lernen aber auch Regeln und erfahren Konfliktsituationen wie in einer Familie. Die heilpädagogisch ausgebildeten Schwestern wissen genau, wie sie jedes Kind in seiner Individualität und nach seinen Bedürfnissen fördern können. Durch diese fachlich basierte Förderung entwickeln die Kinder eine bessere Selbstständigkeit und erkennen ihre Fähigkeiten. Das schafft Selbstvertrauen und ermöglicht ein Aufwachsen in Würde: heraus aus der Isolation, in ein Leben mit Lernen und Lachen.

Die Qualität der Betreuung in diesem kirchlichen Heim wird positive Auswirkungen auf die Arbeit der umliegenden staatlichen Heime haben. Dies zeigen vergleichbare Projekte in Belarus. Das Kinderdorf kann deshalb eine wichtige Pilotfunktion übernehmen.

Projektbewertung

Mittlerweile sind das Wirtschaftsgebäude, das Schwesternhaus sowie zwei der fünf Kinderhäuser fertiggestellt. Allerdings verzögerte sich der Weiterbau aufgrund bürokratischer Hindernisse immer wieder. Dadurch erhöhten sich die geplanten Kosten erheblich. Daran trifft die Projektpartner jedoch keine Schuld. Um die drei übrigen Häuser zu bauen, um so den insgesamt 60 Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, sind die Projektpartner auf eine zusätzliche finanzielle Förderung angewiesen.

Mit dieser Förderung mildert Renovabis die schwierigen Lebensumstände vieler Kinder mit Behinderungen. Vor allem aber spüren die Menschen im strahlenbelasteten Süden der Republik Belarus, dass Renovabis sowie die Freunde und Förderer des Osteuropa-Hilfswerks sie nicht allein lassen. Dieses Zeichen der Solidarität macht ihnen Mut und gibt ihnen Hoffnung in dem Sinne, dass sie sagen können: Man hat uns in unserer ausweglosen Situation nicht vergessen. Es gibt weit entfernt in Deutschland Menschen, denen unser Schicksal nicht gleichgültig ist; denen wir etwas bedeuten; die etwas von sich mit uns zu teilen bereit sind.

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