Soziale Strukturen durch Kürzungen nicht gefährden

Mittwoch, 30. September 2009

Zwei Gewinner mit dem Journalistenpreis Osteuropa 2009 ausgezeichnet

Stuttgart/Freising, 30. September 2009. Vor der Kürzung von Sozialausgaben in Europa haben die Osteuropa-Hilfswerke der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland, Hoffnung für Osteuropa und Renovabis, bei der Verleihung des Journalistenpreises Osteuropa 2009 gewarnt. Dies könne besonders in den Ländern Mittel- und Osteuropas das Bemühen der vergangenen 20 Jahre um soziale Strukturen zunichte machen. Bei einem Festakt am 30. September in Stuttgart wurden der Journalist Leonid Winogradow aus Russland und sein rumänischer Kollege Matei Martin ausgezeichnet. Die Hauptgewinner teilen sich den Preis und erhalten jeweils 2.000 Euro.

„Gerade bei der Geschichtsbetrachtung, die nie frei von Wertung ist, können die Medien heilende oder zerstörerische Kräfte befördern, schwarz malen oder differenzieren“, so die Direktorin von „Hoffnung für Osteuropa“, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die Preisträger hätten die Aufgabe, darzustellen, was sich seit der Wende vor 20 Jahren in Mittel- und Osteuropa verändert hat, beispielhaft gelöst. Laut Füllkrug-Weitzel hat „echter Wandel“ stattgefunden. Renovabis-Geschäftsführer Burkhard Haneke sagte: „Es wäre schön, wenn der Preis auch dazu dienen könnte, bei uns in Deutschland mehr Interesse für den Osten Europas zu wecken. Denn auch 20 Jahre nach dem Fall des ‘Eisernen Vorhangs’ ist unser Blick auf den östlichen Teil Europas nach wie vor durch zahlreiche Klischees und Vorurteile verstellt.“ Der Preis habe einen wichtigen Zweck erfüllt, wenn er die deutsche Perspektive auf die Menschen im Osten Europas hin weite.

Der russische Journalist Leonid Winogradow überzeugte die Jury mit seiner Reportage über einen Arzt in einem Sankt Petersburger Hospiz. Winogradow schildert darin eindrucksvoll, wie dieser Psychotherapeut seit mehr als 30 Jahren Sterbenskranken mit Märchen hilft, sich auf den Tod vorzubereiten. Kommentar der Jury: „Dem Leser wird vor Augen geführt, wie der Glaube an Gott, aber scheinbar auch einfache Rituale Sterbenden wie Angehörigen Trost spenden können“. Der Artikel erschien im September 2008 in der Zeitschrift „Neskutschnyj Sad.“

Matei Martin aus Rumänien beschäftigt sich mit der Literatur aus dem Osten Europas. 20 Jahre nach dem offiziellen Ende des Kalten Krieges findet man deutsche Übersetzungen von Neuerscheinungen aus ehemals kommunistischen Ländern. Die Jury: „Dieser Literaturbericht arbeitet sehr treffend heraus, wie osteuropäische Schriftsteller versuchen, den westeuropäischen Markt zu erobern.“ Der Artikel erschien in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift „Dilemateca“.

In seiner Laudatio betonte der frühere Chefredakteur von „Sonntag aktuell“, Andreas Braun, dass das Leben im raubkapitalistischen Russland nicht viel wert sei. „Leonid Winogradow beschreibt einen Antihelden, der dem Sterben Sinn verleiht.“ Angesichts des Beitrags von Matei Martin gibt es laut Braun berechtigte Zweifel daran, „ob wir Ost- und Westliteratur voneinander trennen dürfen.“


Die evangelische Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ und die katholische Solidaritätsaktion Renovabis haben bereits zum zweiten Mal gemeinsam den Journalistenpreis Osteuropa vergeben. Ziel des Wettbewerbs ist es, vor allem junge Medienschaffende im Osten Europas zu fördern und zu einem kritikfähigen Journalismus zu ermutigen.

Für Rückfragen: Rebecca Nipper, Hoffnung für Osteuropa, Tel.: 0172-6241368, und Jürgen-August Schreiber, Renovabis, Tel.: 08161/5309-14