„Grundsteine der Versöhnung gelegt“

Dienstag, 24. November 2009

Katholische „Schulen für Europa“ in Sarajevo wurden 15 Jahre alt

Sarajevo/Freising – 23. November 2009. Alles begann noch während des Kriegs in Bosnien (1992 bis 1995) und der Belagerung von Sarajevo durch das serbische Militär. Am 21. November 1994 ertönte erstmals die Glocke der Schule des „Heiligen Joseph“ in der bosnischen Hauptstadt. Doch schon in der darauf folgenden Woche fiel der Unterricht aus, weil zahlreiche Granaten auf Sarajevo fielen. Dennoch wurde im November vor 15 Jahren eine Saat gesät, aus der sich inzwischen ein sehr erfolgreiches System sogenannter „Schulen für Europa“ entwickelte, das heute sieben katholische Schulzentren mit 14 Schulen umfasst. Von Anfang an verfolgten die „Schulen für Europa“ ein multiethnisches und multireligiöses Konzept, das zur Versöhnung der verfeindeten Volksgruppen im Land beitragen will. Geistiger Vater dieser Schulen ist Dr. Pero Sudar (57 Jahre), Weihbischof in der Erzdiözese Sarajevo. Er verstand es, Mitstreiter und Förderer für seine Idee in Bosnien, aber auch in zahlreichen anderen Ländern, aus denen Unterstützung kam, zu begeistern.

Beim 15. Jahrestag der katholischen „Schulen für Europa“, der jetzt mit einem feierlichen Festakt begangen wurde, hat Weihbischof Sudar von einem „Wunder der Solidarität und Liebenswürdigkeit“ gesprochen, das diese Schulen erst möglich gemacht habe. Sie gelten heute in Sarajevo, aber ebenso in anderen bosnischen Städten und Kantonen als vorbildliche Bildungsstätten, in denen fast 5.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden und die auch vom Staat finanziell gestützt werden. Natürlich weiß der Weihbischof, dass seine „Schulen für Europa“ herausragende Inseln in einem Meer von wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten sowie fortdauernden ethnischen Verständigungsproblemen sind. Aber er sieht die kleinen Erfolge des Schulalltags und möchte möglichst vielen jungen Leuten eine Chance bieten. Wer diese Elementarschulen, Gymnasien oder berufsbildenden Schulen der katholischen Schulzentren mit Erfolg absolviert, hat gute Chancen auf ein Studium oder für den Einstieg ins Berufsleben. Und dass immerhin 25 bis 30 Prozent der Jugendlichen in der Schule in Sarajevo aus dem muslimischen Bevölkerungsanteil kommen, zeigt, dass der multireligiöse Ansatz funktioniert. Viele Schüler kommen auch aus gemischt-religiösen bzw. gemischt-ethnischen Familien.

Ausdrücklich dankte Weihbischof Pero Sudar dem Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und damit zahlreichen deutschen Katholiken, die ihn unterstützt hätten: „Ohne Renovabis und auch einige weitere Organisationen würde es die katholischen Schulen für Europa gar nicht geben“, so Sudar. Renovabis konnte in den vergangenen Jahren insgesamt fast fünf Millionen Euro für die Schulzentren zur Verfügung stellen. Geschäftsführer Dr. Gerhard Albert durfte dafür beim Festakt in Sarajevo eine Dankurkunde entgegennehmen. Er bedankte sich seinerseits bei Sudar und dessen Unterstützern im Lande. Mit den Worten: „Noch in der Zeit der Belagerung von Sarajevo haben die Gründer des Schulzentrums über die Not des Tages hinaus geblickt und den Grundstein für die Versöhnung gelegt“, erinnerte Albert an das Kriegsjahr 1994. Mit der Gründung der „Schulen für Europa“ sei ein „Zeichen der Selbstbehauptung der Menschen in Bosnien in den schwersten Zeiten“ gesetzt worden.

Anläßlich der Feierlichkeiten des 15. Jahrestages der „Schulen für Europa“ konnte Renovabis-Geschäftsführer Burkhard Haneke mit dem geistigen Vater dieser Schulen, Dr. Pero Sudar, Weihbischof in der Erzdiözese Sarajevo (Foto), sprechen und ihn zum Konzept der Schulen für Europa, die Renovabis mit insgesamt fast 5 Millionen Euro unterstützt hat, befragen. MP3-Dateien anhören