Neuer Patriarch Irinej (Gavrilovic) will mit christlichen Brüdern über Einheit reden
Montag, 25. Januar 2010
Renovabis mit serbischen Partnern dankbar für „gute Wahl“
FREISING / BELGRAD. Der römisch-katholische Belgrader Erzbischof Stanislav Hočevar hat den neuen Patriarchen, dem er sehr verbunden sei und den er als „offen und sehr agil“ schätze, mit einem ersten konkreten Signal zitiert: „Mit Bezug auf das Jubiläum ‚1700 Jahre Mailänder Edikt‘ im Jahr 2013 hält Patriarch Irinej die Zeit für gekommen, mit den christlichen Brüdern über die Einheit zu sprechen.“ Erzbischof Hočevar konnte dem neuen Patriarchen am Samstag (23. Januar) als einer der Ersten gratulieren. Tags zuvor war Irinej, der bisherige Bischof von Niš, vom Wahlkonzil der Serbischen Orthodoxen Kirche in den Dreier-Vorschlag für das neue Oberhaupt gewählt worden; dann fiel das Los auf den 80-Jährigen.
Patriarch Irinej (Gavrilovic) ist der 45. Kirchenführer seit dem Heiligen Sava (13. Jahrhundert). Der neue Serbische Patriarch ist bereits am Samstag in der Belgrader Kathedrale in sein Amt eingeführt worden. Sein vollständiger Titel lautet „Erzbischof von Peč, Metropolit von Belgrad-Karlowitz und Serbischer Patriarch“. Es folgt noch die offizielle Inthronisation in Peč im Kosovo. Bei dieser liturgischen Feier werde der neue Patriarch nach Einschätzung Erzbischof Hočevars „mit Fingerspitzengefühl neben der Ökumene die politischen Herausforderungen der Kosovo-Frage und der europäischen Integration Serbiens“ angehen. Diese Feierlichkeiten seien aber wohl erst für die Zeit nach Ostern vorgesehen.
Auch Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth hat Patriarch Irinej zu seiner Wahl gratuliert. In einem Schreiben wünschte er dem neu gewählten Oberhaupt der Serbischen Orthodoxen Kirche die Gaben des Heiligen Geistes, vor allem aber Weisheit und Stärke, damit er, beseelt von diesen Gnadengaben, seine Kirche leiten könne. Pater Demuth rechnet „auf der Grundlage der hoffnungsfrohen Äußerungen einiger Renovabis-Partner mit einer offenen und pragmatischen Zusammenarbeit. Wir sind dankbar für diese Wahl“.
Renovabis hat den ehemaligen Bischof von Niš bei der Ausbildung seiner Theologen unterstützt: Das Hilfswerk förderte die Verlegung des Priesterseminars von Prizren nach Niš. Der Belgrader katholische Oberhirte erwähnt und begrüßt das bis heute – Erzbischof Hočevar: „Da können die angehenden orthodoxen Priester mehr und besser lernen als früher.“
Zur Person
Patriarch Irinej wurde 1930 im Dorf Vodova bei Cacak in Westserbien geboren. Sein bürgerlicher Name lautete Miroslav Gavrilovic. Nach dem Abitur am Gymnasium in Cacak besuchte er das Priesterseminar in Prizren (Kosovo-Metohija), wonach er an der Theologischen Fakultät in Belgrad studierte. 1959 empfing er im Kloster Rakovica bei Belgrad die Mönchsweihe. Im selben Jahr wurde Mönch Irinej Lehrer am Priesterseminar in Prizren und Priester. Danach studierte er als Postgraduierter in Athen und wurde 1969 Direktor der Mönchsschule im Kloster Ostrog in Montenegro. Von dort wurde er zum Rektor des Priesterseminars in Prizren berufen. Im Jahre 1974 wurde Vater Irinej Vikarbischof von Moravica, um im darauf folgenden Jahr zum Diözesanbischof von Nis gewählt zu werden. Die Stadt Niš in Südostserbien, das Zentrum der bisherigen Diözese von Patriarch Irinej, zeichnet sich dadurch aus, dass in ihr Kaiser Konstantin der Große, jener römische Herrscher, der das Christentum als Religion im römischen Reich zuließ, geboren wurde. Das Wahlkonzil der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) hat am Freitag, 22. Januar 2010, in Belgrad getagt. Daran beteiligten sich alle Bischöfe der SOK inklusive der autonomen Erzdiözese Ohrid (Makedonien). Gewählt werden konnte jeder Diözesanbischof der SOK, der mindestens fünf Jahre im Amt gewesen war. Neben Bischof Irinej waren Metropolit Amfilohije von Montenegro und Bischof Irinej von Backa in der engeren Auswahl für das Amt des Serbischen Patriarchen. Das vorherige Oberhaupt der SOK, Patriarch Pavle I. (bürgerlicher Name Gojko Stojcevic) war am 15. November 2009 in Belgrad gestorben.
