„Wichtig, ökologische Initiativen in Gesellschaften bewusst zu machen“
Donnerstag, 02. September 2010
Kurienkardinal Peter Turkson bei 14. Internationalem Kongress Renovabis über Bewahrung der Schöpfung im Osten Europas
Freising. „Weil unsere Schöpfung, konkret die Lebensumwelt, in der wir uns aufhalten, uns nicht zum Verbrauch überlassen worden ist, sondern weil wir sie von unserem Schöpfer verantwortlich zur Pflege anvertraut bekommen haben, sind wir diesem Schöpfer Rechenschaft schuldig“, erklärt Dr. Gerhard Albert, der Leiter der Renovabis-Geschäftsstelle, das Leitmotiv für die Themenstellung des diesjährigen Kongresses des Hilfswerks über ökologische Herausforderungen in Mittel- und Osteuropa. Wichtigster Gast und Redner zum Thema „In Verantwortung für die Schöpfung“ war der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden in Rom, Peter Kardinal Turkson. Er betonte, das eigentlich doch etwas ganz Selbstverständliches zu vermitteln sei: „Im ‚Oikos’, im mit Zukunftsperspektive gemeinsam bewohnten Haus, gelte es Rücksicht zu nehmen – auf die Anderen um mich herum und auf diejenigen, die nach mir dort wohnen.“
Der 62-jährige schwarzafrikanische Kurienkardinal aus Ghana im Westen des Kontinents verglich Umwelt- und Schöpfungsprobleme seiner Heimat mit den Umständen im Osten Europas. So werde etwa beim Goldschürfen durch ausbeuterische Unternehmen verantwortungslos das für andere Flussanlieger kostbare Wasser verseucht. Kardinal Turkson zitierte Papst Benedikt XVI. mit dessen Weltfriedens-Botschaft vom Neujahrstag 2010 und der Enzyklika „Caritas in veritate“. Daraus ergebe sich eine Verantwortung der Kirche für die Schöpfung und diese sei auch öffentlich geltend zu machen. Der Papst habe betont: „Es kann keinen Frieden geben ohne den Respekt gegenüber der Natur, die ja Lebensgrundlage aller Menschen ist.“
Der Geschäftsführer der Solidaritätsaktion Renovabis, Gerhard Albert, ist überzeugt, dass es darauf ankommt, sich im öffentlichen gesellschaftlichen Diskurs der Verantwortung zu stellen, die die Menschen konkret in Europa und dabei im Besonderen in den Ländern im Osten Europas für die Schöpfung tragen. Dies unterstützten die Projekte des Hilfswerks und dies würde auch durch diesen Kongress gefördert. Noch bis Samstag, 4. September, treffen sich mehr als 360 Kongressgäste bei Renovabis auf dem Freisinger Domberg. Wesentliches Leitmotiv für Vorträge, Podien und Arbeitskreise des Kongresses wird die christliche Maxime der „Bewahrung der Schöpfung“ sein. Hervorzuheben sind unter den Kongressgästen, der frühere Bundesumweltminister Professor Klaus Töpfer, der Leiter der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Dr. Ludwig Schick, der Münchener Sozialethiker Professor Markus Vogt und viele mittel- und osteuropäische Fachleute und Betroffene; außerdem der 12-jährige Schüler Felix Finkbeiner von der internationalen Schülerinitiative „Plant-for-the-Planet“.
Sollen einerseits viele Umweltprobleme konkret angesprochen werden, geht es andererseits auch um das fruchtbare Wirken von Einzelinitiativen zur Verbesserung der Situation von Natur, Kulturlandschaften und Lebensfaktoren. Umweltprobleme sind nicht auf einzelne Regionen oder Länder begrenzt, sondern reichen weiter, wenn man etwa die Wasserverschmutzung im Donauraum oder Klimaveränderungen durch Abholzen von Wäldern betrachtet. Daher soll das Ganze in den Blick genommen werden und dabei die Position der Kirche. Neben Praxis-Beispielen aus den Ländern Mittel- und Osteuropas wird auch die Umweltarbeit der Kirchen in Deutschland vorgestellt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hält - wie sie in ihrer Grußadresse betont - die Bewahrung der Schöpfung für „die wohl drängendste Frage unserer Zeit“: „De¬halb sind Solidarnetzwerke wie die von Renovabis und grenzübergreifende Diskussionen wie auf Ihrem internationalen Kongress so wichtig.“
