Dorfentwicklung und Müllentsorgung in Dobrac bei Shkodra
- Land: Albanien
- Förderbereich: Soziale Aufgaben
Projektbeschreibung
Schwester Maria Christina Färber ist Mitglied der Spirituellen Weggemeinschaft „Haus der Stille“ (Rheinau/Schweiz) und berichtet über Müllprobleme in Albanien.Anfang September 2010 fand in Freising der 14. Internationale Kongress Renovabis zum Thema „In Verantwortung für die Schöpfung - Ökologische Herausforderungen in Mittel- und Osteuropa“ statt. Welcher Art diese ökologischen Herausforderungen aussehen können, hat während des Kongresses Sr. Maria Christina Färber aus Albanien (Bild links) berichtet. Sie gehört zu den Schwestern der „Spirituellen Weggemeinschaft“ aus der Schweiz und arbeitet in Dobrac, Albanien.
Dobrac ist ein Vorort von Shkodra in Nordalbanien. Ursprünglich wohnten hier muslimische Familien, die in Landwirtschaft und Fischfang im Shkodra-See tätig waren. Seit den 90er Jahren wächst der Ort stark an. Die Menschen, die hinzuziehen, kommen fast sämtlich aus den katholisch geprägten Bergregionen im Nordwesten Albaniens. Sie verlassen ihre Heimat, weil sie keine Perspektive für ein Leben in den Bergen sehen: fehlende Verdienstmöglichkeiten, kaum Infrastruktur und auch Bedrohung durch die immer noch existente Blutrache.
Ein Schwein in Albanien frisst den Abfall auf der Straße.: Ein Schwein in Albanien frisst den Abfall auf der Straße. Foto: Anna Marie Wegmann
Dobrac ist zu einem Ort der Marginalisierten geworden. Neben der hohen Arbeitslosigkeit ist das größte Problem die unzureichende Infrastruktur. Die Siedlung entstand ungeplant und ohne administrative Vorgaben. Das Wasser kommt zum größten Teil aus eigenen Brunnen, nach und nach werden auch Stromleitungen gelegt, aber eine Abwasser- und vor allem eine geregelte Müllentsorgung fehlt völlig. Die Stadt Shkodra kommt dieser Aufgabe nicht nach. Der Müll wird überwiegend in die großen, noch aus kommunistischer Zeit stammenden Entwässerungskanäle oder einfach auf die Straße geworfen.
Wie das aussieht, beschrieb Sr. Maria Christina in ihrem Vortrag auf dem Kongress wie folgt:
50 Meter rechts vom Kloster sucht die Kuh des Nachbarn im Kanal nach Wasser. Sie wühlt sich durch Plastiktüten, Fischreste vom Fischlokal nebenan, Kartons und Konservendosen, Motoröle und Babypampers. Ein Geruch nach Aas lässt uns wieder mal vermuten, dass ein paar junge Hunde im Plastiksack in das Kanalwasser geworfen wurden.
Pferdewagen zum Abtransport von Müll.: Pferdewagen zum Abtransport von Müll. Foto: Anna Marie Wegmann
Eine insgesamt katastrophale hygienische Situation und der ideale Nährboden für die Ausbreitung von Krankheiten. Diese Situation zu ändern, das ist das Hauptanliegen der Schwesterngemeinschaft. Weil die Stadt hier faktisch nichts tut, die Situation aber unerträglich ist, unterstützt Renovabis die Schwestern bei diesem Vorhaben.
Sr. Maria Christina:
Renovabis hat uns hier in Dobrac eine Müllabfuhr mit Pferd und Wagen samt Mülltonnen finanziert. Wir haben einen Vertrag mit den Bewohnern geschlossen, dass die Mülltonnen ausschließlich für Müll verwendet werden dürfen. (…) Unser Viertel gilt inzwischen als das Sauberste im ganzen Umfeld von Shkodra. Die Menschen haben Freude, wenn sie Schönheit erleben, sie haben eine innere natürliche Sehnsucht nach Sauberkeit, ja nach Reinheit der Natur, die ja die Reinheit der Seele widerspiegelt. Wir müssen diese Sehnsucht wach halten – über die Zeiten des Mülls hinweg. (…)Wer im Stall lebt, verhält sich wie im Stall. Wer ein Ambiente hat, das schön ist, die Kultur des Lebens unterstützt und fördert, wird sich auf Dauer auch anders verhalten. Wir setzen uns dafür mit unserer ganzen Kraft und bis heute mit Erfolg ein.
Renovabis unterstützt die Schwestern auch in den Jahren 2010 bis 2012 bei den Kosten für den Kauf von Mülltonnen, der Reinigung der Wasserabzugskanäle zum Shkodra-See, beim Unterhalt des innerörtlichen Straßen- und Wegenetzes und bei der Durchführung eines Sensibilisierungsprogramms für Kinder und Jugendliche mit den Themen Ökologie, Wasser und Umwelt.
Projektbewertung
Indem sie die Müllentsorgung zum Anliegen der Bürger machen und in lokaler Zuständigkeit erledigen, fördern die Schwestern das zivilgesellschaftliche Engagement der Menschen, und somit auch ihr Selbstbewußtsein und ihre Zusammengehörigkeit. Über das gemeinschaftliche Arbeiten finden die Schwestern auch immer wieder Anknüpfungspunkte für ihre seelsorgerische Arbeit.
Das Beispiel von Dobrac wurde zum Vorbild anderer dörflicher Siedlungen, wie dem Küstenort Velipoja. Das Projekt ist hinsichtlich seiner zivilgesellschaftlichen Wirkung beispielhaft in ganz Albanien.
- Projektträger: Schwester Maria Christina Färber, Kloster Mutter der Barmherzigkeit, Spirituelle Weggemeinschaft
- Fördersumme: 43.880 EUR
- Bewilligungsjahr: 2010
- Projektlaufzeit: 2010-2012
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