HIV/Aids-Epidemie wächst besonders im Osten Europas
Dienstag, 30. November 2010
Weltweiter Rückgang verbirgt die Not in den europäischen und mittelasiatischen Ländern | Renovabis fordert umfassende Programme für mehr Vorsorge und zur Senkung der Sterblichkeit
FREISING. Die HIV/Aids-Epidemie ist in Osteuropa und Zentralasien auch im vergangenen Jahr wieder gewachsen, während weltweit die Zahl der HIV-Neuinfektionen stabil ist oder gar sinkt. Die Gruppe mit dem höchsten Risiko bilden meist männliche injizierende Drogennutzer. Von den rund 3,7 Millionen Menschen, die in der Region regelmäßig Drogen spritzen, ist nach jüngsten Schätzungen der Organisation UNAIDS von Ende November etwa ein Viertel HIV-positiv – also bis zu 930.000 Frauen und Männer! Darauf weist der Leiter der Auslandsabteilung, Martin Lenz, aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember hin: „Die Epidemie im Osten Europas ist außerdem gekennzeichnet durch die Kombination von HIV und Sucht. Deshalb unterstützt Renovabis besonders kombinierte HIV/Aids- und Suchthilfeprojekte – auch im kirchlichen Raum, denn die Gemeinden sind ebenfalls betroffen.“ Er betont die Bedeutung der weiteren, auch finanziellen Solidarität mit den Ländern des Ostens und fordert auch die Bundesregierung zur weiteren Unterstützung im Kampf gegen die Ausbreitung der Epidemie auf.
So wurde gerade ein dreijähriges Projekt abgeschlossen, bei dem ukrainische ehrenamtliche Gemeindemitglieder als HIV- und Suchtberater geschult werden. Am Ende dieses Projekts, das in Kooperation mit dem deutschen Gesundheitsministerium durchgeführt wurde, stehen ein Netz von 28 dezentralen Caritas-Kleinstberatungsstellen und ein Erfahrungsschatz, der die weitere Unterstützung der Kirchen vor Ort bereichern wird.
Seit 2006 unterstützt Renovabis zusammen mit Caritas international und dem Missionsärztlichen Institut Würzburg die Kirche und die Caritas in Osteuropa nicht nur durch finanzielle Projektförderung, sondern auch durch Bereitstellung von Fachberatung. Monika Rosenbaum erarbeitet vor allem Beratungs- und Unterstützungsansätze, die vorhandene kirchliche Ressourcen aktivieren. „Bei Patienten mit HIV und Sucht ist oft das ganze familiäre Umfeld betroffen, deshalb brauchen wir stabile Unterstützungssysteme und hoffen darauf, immer mehr Gemeinden zu gewinnen“, erklärt sie. „Je mehr Gemeinden sich aktiv mit HIV und Sucht auseinandersetzen und offen Hilfe anbieten, desto eher können wir auch die ‚ganz normalen’ Menschen mit HIV, die es ja auch gibt, erreichen; diese gingen bislang aus Angst vor Diskriminierung erst dann zum Arzt, wenn die Krankheit zu weit fortgeschritten war. Auch dieser Faktor kann dazu beitragen, die sehr hohe Sterblichkeit der Patienten mit HIV in Osteuropa zu senken.“
Nachdem sich die Ausbreitung der HIV-Epidemie in den mit ca. 1,3 Millionen Fällen am stärksten betroffenen Ländern Ukraine und Russland verlangsamt hat, zählen jetzt fünf andere ehemalige Sowjetrepubliken zur Gruppe der sieben „Problemländer“ in denen die Zahl der Fälle seit 2001 um 25 Prozent angestiegen ist: Armenien, Georgien, Kirgisistan, Kasachstan und Aserbaidschan. „Auch zwanzig Jahre nach Auflösung der Sowjetunion kämpft die Region mit gemeinsamen Problemen, darunter dem unzureichenden Gesundheitssystem und einer epidemischen Ausbreitung des Drogenmissbrauch“, erklärt Martin Lenz.
