Polen und Russland – eine schwierige Beziehung

Mittwoch, 23. Februar 2011

Aktuelle OWEP-Ausgabe nimmt die komplizierte Nachbarschaft in den Blick

FREISING. Das Verhältnis beider Länder ist noch vielfach durch die Vergangenheit belastet - besonders wenn um es die unterschiedliche Bewertung historischer Ereignisse geht. Symbol dieser schwierigen Beziehung ist der Schicksalsort Katyn: Dort, wo auf Befehl Stalins 20.000 polnische Offiziere ihr Leben lassen mussten, sind im vergangenen Jahr der polnische Präsident und seine Delegation bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Die gemeinsame Trauer um die Opfer der beiden Katastrophen war scheinbar ein erster Schritt in Richtung Versöhnung, jedoch haben sich auch wieder schrille Töne unter die Klagen gemischt.

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven (OWEP), das erste Heft, das im Regensburger Verlag Friedrich Pustet erschienen ist, möchte ein wenig Licht in das komplizierte polnisch-russische Verhältnis bringen. Damit soll ein Beitrag zum besseren Verständnis der beiden östlichen Nachbarn gemacht werden. Es kommen unterschiedlichste Aspekte der konfliktbehafteten Nachbarschaft zur Sprache, angefangen bei den Problemen der langen und verwickelten Geschichte bis hin zu den außen- und innenpolitischen Reibungen der letzten 20 Jahre. Berücksichtigt werden dabei sowohl die polnische und die russische Perspektive als auch die Außensicht auf die streitbaren Nachbarn.

Mehrere Autoren beschäftigen sich mit den Schatten der Vergangenheit in den Beziehungen zwischen Russland und Polen: So werden nicht nur die Vorgänge von Katyn und die anschließende Geschichte des Verdrängens und der falschen Schuldzuweisungen nachgezeichnet. Auch die jüngere Geschichte und die damit verbundenen Dissonanzen um wirtschaftliche und sicherheitspolitische Fragen sowie die Haltung führender Politiker beider Länder werden angesprochen. Wie sich diese Vergangenheit auf die Gegenwart auswirkt, verdeutlicht z.B. eine Umfrage zu der Einstellung der Polen gegenüber ihrer übermächtigen Nachbarn: Es zeigen sich alte Vorbehalte, aber auch allmähliche Veränderungen.

Aber nicht nur politische und historische Aspekte stehen im Fokus dieser Ausgabe: Katarina Ilić vergleicht die reale und symbolische Nähe der Kirche in Polen und in Russland. Obwohl Kirche in beiden Ländern traditionelles Identitätssymbol ist, lassen sich markante Unterschiede feststellen. Friedemann Kluge hingegen findet Gemeinsamkeiten in der Musik: Er schildert die musikalische Beziehung zweier Komponisten der beiden Länder.

Eine Außensicht auf Polen und Russland, ihre beiderseitigen Beziehungen und die besondere Verantwortung, die Deutschland gegenüber beiden Ländern hat, beinhaltet der Essay von Ministerpräsident a. D. Prof. Dr. Bernhard Vogel. Nach vielfältigen, zuletzt im 20. Jahrhundert eskalierten Auseinandersetzungen sieht er für die Zukunft die Chance, dass alle drei Länder gemeinsam zu einer friedlichen Entwicklung in Europa beitragen.

Die Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) wird vom katholischen Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) herausgegeben und erscheint im Friedrich Pustet Verlag. OWEP kostet als Einzelexemplar 6,50 Euro. Die Zeitschrift kann telefonisch (08161/5309-71) oder per E-Mail: owep@renovabis.de angefordert werden. Ein Überblick über den Inhalt der aktuellen Ausgabe ist im Internet unter www.owep.de möglich. Dort können Sie auch einen Artikel im Volltext lesen: Kai-Olaf Lang: Rivalität, Versöhnung, Kooperation? Neue Impulse und alte Konflikte in den polnisch-russischen Beziehungen