HIV/AIDS im Osten Europas: Mütter tragen Last der Epidemie

Freitag, 06. Mai 2011

Renovabis will Unterstützung für Familien und pflegende Angehörige

FREISING. Die HIV-Epidemie in Osteuropa betrifft in besonderer Weise Mütter jeden Alters – darauf macht anlässlich des diesjährigen Muttertags das katholische Osteuropahilfswerk Renovabis aufmerksam. „Wir würden uns eine bessere Unterstützung der von HIV und AIDS betroffenen Familien und die Anerkennung der Versorgungs- und Pflegeleistung der Großmütter-Generation wünschen“, sagte Martin Lenz, Leiter der Projektabteilung bei Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. „Unsere kirchlichen Partner im Osten Europas berichten immer wieder von unzureichender Hilfe für Familien und fehlender Unterstützung für Angehörige.“

Neben der Russischen Föderation ist die Ukraine in (Ost-)Europa am schwersten von der HIV-Epidemie betroffen: Von 1987 bis einschließlich Ende März 2011 wurden in der Ukraine nach offiziellen Angaben knapp 187.000 Menschen mit der Diagnose HIV registriert. UNAIDS schätzt jedoch, dass nur jeder Vierte um die Infektion weiß und derzeit rund 350.000 Menschen ab dem 15. Lebensjahr mit HIV leben. Während sich die HIV-Epidemie seit ihrem Ausbruch Mitte der 90er Jahre anfangs vor allem unter jungen männlichen Drogennutzern verbreitete, gewinnen schon seit Jahren die sexuelle Übertragung und der Anteil der Frauen und Kinder an Bedeutung. Seit 1987 wurden gut 29.000 HIV-Infektionen bei Kindern unter 15 Jahren registriert.

Mütter in der Ukraine sind heute von HIV und AIDS direkt betroffen, wenn sie selbst mit dem Virus leben oder Mann oder Kind infiziert sind. Die lange Zeit in Osteuropa vorherrschende Übertragung des Virus durch Drogengebrauch führte zudem dazu, dass viele AIDS-kranke Drogenabhängige von ihren Müttern im Rentneralter gepflegt werden, und dass andere Frauen der Großmütter-Generation die Verantwortung für ihre Enkelkinder aus von der Sucht zerstörten Familien übernehmen.

„Die Unterstützung von Familien – und werdenden Müttern – wird in Zukunft immer wichtiger“, erläutert Monika Rosenbaum, die das Hilfswerk und die Partner in Ukraine und Russland berät.

HIV-positive Schwangere, können das Ansteckungsrisiko für ihre Kinder während Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit, bei Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen in der Ukraine auf aktuell unter sieben Prozent senken. Allerdings wissen viele Frauen gar nichts von der eigenen Infektion und erfahren davon erst während der Schwangerschaftsvorsorge.

Renovabis unterstützt in Deutschland die aktuelle Kampagne „Babys ohne HIV – Bis 2015 Mutter-Kind-Übertragung stoppen!“ des Aktionsbündnisses gegen AIDS und fördert in der Ukraine konkrete Hilfsprojekte, z.B. für junge Mütter in Kiew, die oft die Hauptverantwortung für die Familie tragen. Sie müssen mit der eigenen Krankheit kämpfen und zugleich ihre Kinder versorgen – und das nach Möglichkeit so, dass die Umwelt nichts davon erfährt, dass die Familie von dem Virus betroffen ist, denn das hätte für die Kinder verheerende Auswirkungen.

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