12. Juni 2011
„Löscht den Geist nicht aus!“
Ein Plädoyer wider die Geistlosigkeit! Wer schätzt sie nicht, die Gesellschaft geistvoller Menschen? Sie sprudeln nur so von Geistesblitzen und geistreichen Kommentaren, die Bildung, Horizont und Esprit ahnen lassen. Geistlose Menschen dagegen pflegen uns schnell auf den Geist zu gehen. Im besten Falle sind sie langweilig, mitunter aber gefährlich: „Geistlose Menschen kann man nicht begeistern, aber fanatisieren kann man sie“ (Marie von Ebner-Eschenbach).
Wenn die christliche Botschaft trotz unleugbarer Rückschläge hierzulande weltweit nach wie vor auf dem Vormarsch ist, dann ist das dem Heiligen Geist zu verdanken. Immer wieder neu schafft es dieser Geist, die unstillbaren Sehnsüchte der Menschen nach dem, was die Erde als solche nicht zu geben vermag, mit den geschichtlich in Jesus Christus ergangenen Verheißungen Gottes zu synchronisieren.
Die tragische Folge eines geistlosen Lebens besteht darin, dass wir am Ende nicht mehr fähig sind, Gott zu suchen und zu finden. Ohne Neugier und Offenheit für den Geist verlieren wir den Anschluss an das Wirken des Geistes Gottes, ziehen uns zurück in das sichere, aber auf Dauer erstickende Gehäuse unserer eingefahrenen Vorurteile darüber, wie die Welt ist oder sein sollte. Am Anfang der Säkularisierung steht die Geistvergessenheit.
Tröstlich zu wissen: Geistliche Vergesslichkeit ist kein unüberwindbares Hindernis für den Geist.
Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten, der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten (GL 249:2)
Gebeten oder ungebeten breitet Gott die sieben Gaben seines Geistes vor uns aus: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht. Können wir es uns auf Dauer in unserem persönlichen, öffentlichen und kirchlichen Leben leisten, diese Angebote auszuschlagen? Krieg und Frieden, Hunger und Seuchen, die ökologischen und die ökonomischen Herausforderungen – all das wäre viel leichter zu lösen, wenn wir den Ungeistern eine Absage erteilen und dem Heiligen Geist die Herrschaft in uns und unter uns abtreten würden. Von daher ist es nicht nur im Blick auf das hehre Ziel der Ehre Gottes, sondern entspricht wohlverstandenem Eigeninteresse, wenn wir uns auch dieses Jahr die Mahnung des Apostels Paulus an seine Zeitgenossen zu Herzen nehmen: „Löscht den Geist nicht aus!“ (1 Thessalonicher 5:19)
In diesem Sinne uns allen ein Frohes Pfingstfest!
Pater Stefan Dartmann SJ,
Hauptgeschäftsführer von Renovabis, Freising
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