„Nichts ist wertvoller als Freiheit“
Donnerstag, 21. Juli 2011
Osteuropa-Hilfswerk Renovabis würdigt verstorbenen Kazimierz Kardinal Świątek als weißrussischen Glaubenszeugen
FREISING / PINSK. Kazimierz Kardinal Świątek ist tot. Der emeritierte Erzbischof von Minsk und Mohylew starb am Donnerstag, 21. Juli genau drei Monate vor seinem 97. Geburtstag, in seinem Heimatort Pinsk. Dies hat die Kurie in Pinsk der Osteuropa-Hilfsaktion Renovabis heute mitgeteilt. Der Geschäftsführer von Renovabis, Dr. Gerhard Albert, erinnerte mit Hochachtung an den dienstältesten Kardinal der katholischen Kirche: „Dieser Priester war wirklich ein Glaubenszeuge für die weißrussischen Christen. Er hat Stalinterror, Haft in der Todeszelle und zehn Jahre sowjetische Arbeitslager überlebt.“
Mit gut 76 Jahren ist er noch von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Pinsk ernannt worden und zugleich ab 1991 zum Erzbischof und Metropoliten von Minsk-Mohylew. Geschäftsführer Albert: „So hat er sich um den Wiederaufbau der katholischen Kirche in seiner Heimat verdient und mit seinem Vorbild vielen Menschen Mut gemacht.“ Seit 1995 habe Kardinal Świątek in Weißrussland mehr als 260 Projekte persönlich mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mit den Verantwortlichen bei Renovabis vorangetrieben. Seine Projekte wurden so angelegt, dass durch ihre Verwirklichung das Glaubensleben profitieren und soziale Missstände eingedämmt werden konnten.
Was seine Lebenserfahrung und Grundwerte anbelangt, hat sich der Kardinal stets bescheiden, aber sehr klar geäußert: Er hielt es mit dem Apostel Paulus und rechnete damit, dass dort, wo der göttliche Geist herrsche, Freiheit ist. Świątek: „Gott hat den Menschen von Anfang an als Freien geschaffen, und nichts ist wertvoller als die Freiheit!“ Freiheit sei die Wahl, kategorisch „Nein“ zum Bösen und entschlossen „Ja“ zum Guten zu sagen. Świątek: „Was mich wirklich beunruhigt, ist dieser Übergang vor allem der Jugend aus einer kleinen, engen Welt, die durch alle möglichen Tabus eines totalitären Systems begrenzt war, in eine große offene Welt, die auch oft sehr grausam ist, obwohl sie breite Wahlmöglichkeiten bietet.“
Während der französische Staat den weißrussischen Bekenner-Kardinal 2006 mit dem Orden eines Kommandeurs der Ehrenlegion ausgezeichnet hat, verlieh Papst Johannes Paul II. diesem mutigen Repräsentanten der christlichen Botschaft 2004 den Preis „Fidei testis“ („Zeuge des Glaubens“).
Geboren wurde Kardinal Świątek am 21. Oktober 1914 in Walga an der heutigen Grenze zwischen Estland und Lettland, in Riga wurde er getauft. Als er drei Jahre alt war, wurde seine Familie nach Sibirien deportiert. Nach dem Abschluss am Priesterseminar von Pinsk wurde er am 8. März 1939 in der dortigen Kathedrale zum Priester geweiht und in die Seelsorge nach Prushany geschickt. Als Folge der Unterdrückung der Religion wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt. Zwei Monate war er in der Todeszelle. Der soeben begonnen Zweite Weltkrieg verhinderte die Vollstreckung des Urteils. 1944 wurde der junge Priester wieder verhaftet und zu zehn Jahren „Lager“ verurteilt: schwere Arbeit zuerst in Sibirien, dann nahe „Workuta“. Nach dem Untergang der Sowjetunion und der Wiederzulassung der Kirche ernannte Papst Johannes Paul II. Świątek am 13. April 1991 zum Erzbischof von Minsk und Mohilew und zugleich zum Apostolischen Administrator für Pinsk; 1991 empfing der damals schon 76-Jährige die Bischofsweihe. Am 26. November 1994 wurde Świątek von Papst Johannes Paul II. als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Gerardo Maiella in das Kardinalskollegium aufgenommen. Sein Amt als Oberhirte der rund 200.000 Katholiken seines Erzbistums übte Kardinal Świątek auch jenseits des neunzigsten Lebensjahres noch aus. Seinem Rücktrittsgesuch im 92. Lebensjahr am 13. Juni 2006 von seinem Amt als Erzbischof wurde von Papst Benedikt XVI. stattgegeben. Jetzt starb Kazimierz Kardinal Świątek am 21. Juli 2011 96-jährig.

