29. Juli 2011

„Europa, vergiss Serbien nicht!“

„Serbien – ein Land, von dem wir nichts mehr wissen (wollen)?“ Mit dieser Frage leitete Gerhard Lux vom Bund Katholischer Unternehmer BKU den Sommerempfang der Diözesangruppe München und Freising am 28. Juli ein. Gastredner des Abends, zu dem der BKU gemeinsam mit Renovabis eingeladen hatte, war der katholische Erzbischof von Belgrad Stanislav Hočevar.

Der Belgrader Erzbischof berichtete über die komplexe politische Lage Serbiens an der Schnittstelle zwischen West und Ost in Europa, die damit verbundene besondere geostrategische Rolle des Landes, die schwierige Situation der katholischen (Minderheits-) Kirche in Serbien sowie über seine Bemühungen um den Dialog mit der Orthodoxen Kirche vor Ort. Serbien verdiene mehr Aufmerksamkeit als ihm gegenwärtig im politischen Diskurs zuteil werde. Es sei natürlich bis in die jüngste Geschichte und Gegenwart hinein ein Raum großer Spannungen und Konflikte gewesen, es könne nun aber in Europa – politisch, kulturell wie auch religiös – eine wichtige Brückenfunktion zwischen Ost und West übernehmen.

„Europa, vergiss Serbien nicht!“, mahnte der Erzbischof. Gerade die katholische Kirche in Serbien könne, so Hočevar „ein Motor des Dialogs“ sein, befinde sich derzeit aber selber in einem schwierigen Prozess der Findung „einer neuen Identität“. In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, das Fragen und Themen der Katholischen Kirche bereits in Ex-Jugoslawien, aber auch heute noch, stets auf das Nachbarland Kroatien fokussiert gewesen seien. Die katholische Minderheit in Serbien, immerhin fast eine halbe Million Gläubige, stehe vor großen Herausforderungen – und ohne finanzielle Hilfen aus dem Ausland könne die Kirche kaum überleben. Gerade die Solidaritätsaktion Renovabis sei dabei immer ein wichtiger und verlässlicher Partner gewesen, sagte der Erzbischof.

Bereits am Abend zuvor war Hočevar mit dem Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, zusammen getroffen. Auch bei diesem Gespräch ging es um die besondere Situation der Kirche in Serbien, weiterhin wurden Themen wie „Europa und das Christentum“ sowie Fragen der Neu-Evangelisierung angesprochen.

Der Gast aus dem Balkanland hatte darüber hinaus eine besondere Einladung „im Gepäck“. Denn in zwei Jahren steht das 1700jährige Jubiläum des sogenannten „Edikts von Mailand“ an, das von der katholischen Kirche in Serbien unter dem Leitwort „Zur Freiheit befreit!“ besonders gefeiert wird. Dieses „Edikt“, eine Vereinbarung zwischen dem weströmischen Kaiser Konstantin und dem oströmischen Kaiser Licinius, hatte die Freiheit der Glaubensentscheidung für alle Religionen zum Inhalt und beendete damit auch die Christenverfolgung im Römischen Reich. In Serbien werde das Jubiläum des „Toleranz-Edikts“ deshalb besonders gefeiert, weil Kaiser Konstantin im dritten Jahrhundert in der Stadt Naissus, dem heutigen serbischen Niš, geboren wurde, erläuterte Erzbischof Hočevar. Er lud seinen Münchner Mitbruder im Bischofsamt schon jetzt zur Teilnahme an den Feierlichkeiten im Jahr 2013 herzlich ein.