Die Angehörigen sind überfordert

Donnerstag, 20. November 2008

Immer mehr Menschen im Osten Europas stecken sich mit dem HI-Virus an

FREISING. Auf die wachsende Zahl HIV-infizierter Menschen im Osten Europas sowie in Zentralasien hat das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis hingewiesen. Allein in der Ukraine hätten sich nach offiziellen Angaben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 7.941 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert, so der Leiter der Renovabis-Projektabteilung, Markus Leimbach, am Donnerstag (20. November) in Freising. Laut Statistik sind insgesamt 131.828 Menschen in der Ukraine an AIDS erkrankt, unter ihnen 18.937 Kinder. Tatsächlich dürften die wirklichen Zahlen deutlich darüber liegen, zeigte sich Leimbach besorgt. Er bezog sich auf Schätzungen von UNAIDS (gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV/AIDS), wonach von den knapp 46 Millionen Einwohnern der Ukraine mittlerweile mehr als eine halbe Million mit HIV infiziert erkrankt sind.

Das sind immerhin gut ein Prozent der Gesamtbevölkerung. In Osteuropa spricht man mittlerweile von rund 1,5 Millionen HIV-infizierten Menschen. Leimbach unterstrich die schwierigen Lebensbedingungen der Betroffenen in der Ukraine, aber auch in vielen anderen Ländern Osteuropas und Zentralasiens. Gerade in den ländlichen Regionen kämen sie kaum an Informationen über die Krankheit und mögliche Behandlungsformen. Die meisten seien auf Hilfe durch die Familie angewiesen, obwohl die Angehörigen dadurch oft selbst an die Grenzen der Belastbarkeit stießen.

Drogenkonsum lässt HIV/AIDS-Rate nach oben schnellen

Eine wesentliche Ursache für die Verbreitung des HI-Virus in der Ukraine ist der rasant steigende Drogenkonsum seit Beginn der 90-er Jahre. Noch immer sind von den Neu-Infizierten fast die Hälfte Drogennutzer. – Leimbach äußerte sich am Vortag einer Konferenz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zum Thema „HIV/AIDS-Prävention: voneinander lernen – gemeinsam handeln“. Zu der Tagung vom 21. bis 22. November haben das deutsche Bundesministerium für Gesundheit und das Gesundheitsministerium der Ukraine gemeinsam mit UNAIDS eingeladen. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Deutsch-Ukrainischen Partnerschaftsinitiative zur Bekämpfung von HIV/AIDS statt. Ukrainische, deutsche sowie internationale HIV/AIDS-Experten aus Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen nehmen an der Konferenz teil, darunter Vertreter von Renovabis. Sie werden dort auch über ihre Erfahrungen mit einem Projekt berichten, bei dem engagierte Mitglieder aus größeren Kirchengemeinden in der Ukraine geschult werden, um sich künftig als ehrenamtliche Berater im Bereich HIV/AIDS sowie Drogensucht zu engagieren. Partner von Renovabis sind hier die Caritas Spes in der Ukraine sowie das Bundesgesundheitsministerium. Erst kürzlich hielten sich Mitarbeiter und Ehrenamtliche der Caritas Spes zu einem Besuch in Deutschland auf, wo sie sich in Facheinrichtungen in Würzburg, Nürnberg, Stuttgart und München über innovative Ansätze in der HIV/AIDS- und Drogenarbeit informierten. Die Studienreise hatte das Missionsärztliche Institut Würzburg organisiert, mit dem Renovabis eng zusammenarbeitet. Allein in der Ukraine, einem Förder-Schwerpunktland im Bereich der HIV/AIDS-Prävention, unterstützte Renovabis bislang 14 Projekte. Insgesamt stellte das Hilfswerk bis heute 1,3 Millionen Euro für gezielte HIV/AIDS-Maßnahmen in sieben Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie in Zentralasien zur Verfügung.