Land im Abseits?

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Serbien ist Thema im aktuellen Heft von „OST-WEST. Europäische Perspektiven“

FREISING. Klischees bestimmen das Bild Serbiens in der breiten Öffentlichkeit. Von „rückständig“ bis „chauvinistisch“ ist häufig die Rede. Vielen fällt beim Stichwort Serbien ohnehin nur Krieg ein. Gleichzeitig wissen die meisten Menschen nur wenig über das Kernland des ehemaligen Jugoslawien. Genau hier setzt das aktuelle Heft von „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) mit dem Thema Serbien an. Unter dem Titel „Land im Abseits?“ arbeiten die Autoren wichtige Aspekte zu Serbien heraus, damit sich der Leser ein eigenes Urteil bilden kann.

Zu Beginn vermittelt Professor Holm Sundhaussen von der Freien Universität Berlin einen breiten Überblick über die Geschichte Serbiens bis in die Gegenwart. Ergänzend dazu beschreibt Professor Thomas Bremer von der Universität Münster das Verhältnis Serbiens zu seinen Nachbarstaaten, das fast durchgängig konfliktbeladen ist. Die politischen Entwicklungen nach den Parlamentswahlen vom 11. Mai 2008 stehen im Mittelpunkt des Artikels von Nenad Stefanov, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas. Seine Analyse befasst sich außerdem mit dem Parteiensystem und der Rolle der Nichtregierungsorganisationen in Serbien. Der Belgrader Schriftsteller Vladimir Arsenijević beschäftigt sich ebenfalls mit den Parlamentswahlen. Dabei geht er in seinem Beitrag auch auf die Enttarnung des untergetauchten bosnischen Serbenführers Radovan Karadžić ein. Scharfe Worte wegen einseitiger Sicht des „Westens“

In seinem Essay „EU-Mitgliedschaft und Nachbarschaft“ geißelt Professor Dragan Stojanović von der Universität Belgrad mit scharfen Worten die einseitige Sicht des „Westens“ gegenüber dem „ewigen“ Übeltäter Serbien. Zu einer Verständigung kann es seiner Meinung nach nur kommen, wenn alle Seiten zu ihren Fehlern stehen. Erst dann sei es Serbien möglich, als gleichberechtigte Nation unter den anderen Völkern Europas zu leben. Von großer Bedeutung für das Selbstverständnis der Serben ist das Bekenntnis zur Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK). Dazu bietet der Artikel des in Dortmund tätigen serbisch-orthodoxen Priesters Radomir Kolundžić ausführliche Informationen. Ergänzt wird sein Beitrag zur kirchlichen Situation in Serbien durch Professor Andrija Kopilović, Prorektor des Instituts für Theologie und Katechese in Subotica. Er stellt die ökumenische Situation in Serbien, insbesondere in der Wojwodina, vor. Abgerundet wird das Heft durch einen Beitrag des Belgrader Literaturkritikers Gojko Božović. Wichtige Fakten zu Politik und Wirtschaft liefert abschließend das Länderprofil „Serbien“.

Die Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) wird vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und vom katholischen Osteuropa-Hilfswerk Renovabis herausgegeben. OWEP kostet als Einzelexemplar 6,50 Euro. Die Zeitschrift kann telefonisch 08161/5309-71 oder per E-Mail: owep@renovabis.de angefordert werden. Ein Überblick über den Inhalt der aktuellen Ausgabe ist im Internet unter www.owep.de möglich. Außerdem sind dort zwei Beiträge im Volltext abgedruckt: zum einen der Artikel von Sundhaussen, zum anderen ein Artikel von Vladimir Arsenijević. Das aktuelle Heft enthält auch das Jahresinhaltsverzeichnis.