Kontinent des Dialogs

Samstag, 06. September 2008

Belgrader Erzbischof macht sich Gedanken über die christliche Identität – Internationaler Kongress Renovabis abgeschlossen

FREISING. Zu einem echten Dialog zwischen vereinter Christenheit und nicht-christlicher Welt hat der römisch-katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hočevar, aufgerufen. Wenn Europa christlich sein wolle, müsse es zu einem Kontinent des Dialogs werden, sagte Hočevar zum Abschluss des zwölften Internationalen Kongresses Renovabis am Samstag (6. September) in Freising. Der Erzbischof machte deutlich, dass die Merkmale dieses Dialogs die „vernünftige Suche nach Gott sowie die vernünftige Zusammenarbeit“ seien. Dazu sei es jedoch nötig, den Glauben zu erneuern. Hočevar verwies darauf, dass die Theologie im Sinne eines Gesprächs über Gott womöglich nie notwendiger gewesen sei als zum jetzigen Zeitpunkt. So habe man niemals in der Geschichte mehr nach dem Sinn des Lebens gesucht als heute. Er sei fest davon überzeugt, so der Erzbischof, „dass wir den richtigen Dialog nicht führen können ohne die neue und die erneuerte Einheit von Ost und West“. Auch sei dies ohne die Autorität der Kirche nicht möglich, da sie „auf eine authentische Art und Weise die geistige und moralische Dimension des Lebens“ deute. – Der Belgrader Erzbischof war einer der Hauptreferenten beim Internationalen Kongress Renovabis. Seine „Gedanken zu einer christlichen Identität“ setzten den Schlussakzent. Zuvor hatten sich über 340 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus 29 Ländern Europas drei Tage lang auf dem Domberg mit dem Thema „Bruchstellen in Europa!? Religion und Nation im 21. Jahrhundert“ auseinandergesetzt.

Pater Demuth: Aus Bruchstellen werden Nahtstellen

In seinem Schlusswort ging Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth nochmals auf das Kongressthema ein. So enthalte das Verhältnis von Nation und Religion Konfliktstoff. Dadurch seien Bruchstellen entstanden, die mit all ihrer Komplexität „natürlich nicht“ auf einem einzigen Kongress überwunden werden könnten. Gleichwohl hoffe er, dass diese Bruchstellen auch zu Nahtstellen würden. Dafür sei der Dialog unabdingbar. Diesem wolle Renovabis mit seinem Kongress eine Plattform bieten und dazu beitragen, dass „Europa als gemeinsames Haus erlebbar“ werde, so Demuth. – Am Freitag war die Kongress-Thematik in Arbeitskreisen vertieft worden. Dabei ging es um das Verhältnis von Kirche und Nation in der Ukraine oder um die Erfahrungen im Miteinander der Religionsgemeinschaften in Serbien. Gut besucht war wegen der aktuellen politischen Ereignisse der Arbeitskreis „Armenien und Georgien als Beispiele für religiös-ethnische Spannungsfelder im Kaukasus“. Hier plädierten die georgischen Referenten Levan Abashidze und Vaja Vardidze aus Tbilisi (Tiflis) für eine Weiterentwicklung der Demokratie-Prozesse in ihrer Heimat und baten um Hilfe von außen. Professor Hacik Gazer, ein an der Universität Erlangen lehrender Armenier, appellierte an die Gesellschaften im östlichen wie im westlichen Teil Europas, die Geschichte aufzuarbeiten, um einander besser verstehen zu lernen. Er bedauerte es sehr, dass es in Deutschland keinen Lehrstuhl gäbe, der sich mit Georgien beschäftige. Gerade im Bildungsbereich sieht Gazer eine große Chance für eine bessere Zukunft in der Kaukasusregion. [mehr zum Kongress]

Der 13. Internationale Kongress Renovabis findet vom 3. bis 5. September 2009 in Freising statt und wird sich mit dem Thema „Ostkirchen“ beschäftigen. Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Christof Dahm und Thomas Hartl vom Renovabis-Kongress-Referat zur Verfügung: Telefon 08161/5309-70 oder -71, Fax: -44, E-Mail: kongress@renovabis.de