Für ein Europa der Nationen und Kulturen

Donnerstag, 04. September 2008

Erzbischof Marx eröffnet den zwölften Kongress Renovabis und fordert dazu auf, sich seiner eigenen Wurzeln bewusst zu sein

FREISING. Zu einem Europa, das sich durch die Vielfalt seiner Nationen und Kulturen auszeichnet, hat sich der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, bekannt. Europa habe dann eine Zukunft, wenn es Nation und Religion Raum gebe, betonte Marx am Donnerstag (4. September) in Freising. Die Europäer sollten weltanschaulich offen, sich gleichzeitig aber auch ihrer eigenen Identität und ihrer religiösen Wurzeln bewusst sein. Der Erzbischof würdigte den Prozess der europäischen Einigung als etwas „Einmaliges“, das vielen Menschen immer noch zu wenig bewusst sei. Marx machte deutlich, dass gerade der christliche Glaube identitätsstiftend in Europa gewirkt habe. Die Verkündigung des Evangeliums habe etwa in Deutschland wesentlich zur Volkswerdung beigetragen. Er forderte deshalb die Christen auf, sich für eben dieses Europa verschiedener Nationen sowie Kulturen stark zu machen und bezeichnete sie in diesem Zusammenhang als „Motoren und Inspiratoren“.

Erzbischof Marx sprach aus Anlass des Internationalen Kongresses Renovabis, den das katholische Osteuropa-Hilfswerk zum zwölften Mal auf dem Freisinger Domberg ausrichtet. Noch bis Samstag (6. September) werden sich rund 340 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus 29 Ländern mit dem Thema „Bruchstellen in Europa!? Religion und Nation im 21. Jahrhundert“ auseinandersetzen. Marx eröffnete den Kongress erstmals in seiner Funktion als Erzbischof von München und Freising.

„Kernfrage der politisch-kulturellen Debatte unserer Zeit“

Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth hatte zum Kongress-Auftakt Aktualität und Brisanz des Tagungsmottos hervorgehoben. Er verwies auf das Grußwort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch. Dieser macht darin deutlich, dass die Themenstellung der Tagung „eine Kernfrage der politisch-kulturellen Debatte unserer Zeit“ anspreche. Die Gefahren, die sich mit einer Renaissance völkisch-nationalistischer Ideologien und einer übersteigerten Wertschätzung der eigenen Geschichte und Kultur verbänden, seien unübersehbar, so Zollitsch. Auch Erzbischof Marx war in seiner Eröffnungsrede auf diesen Punkt eingegangen. Mit Blick auf Diskussionen, ob Religion nicht eine Quelle der Gewalt sei, unterstrich er, dass nur ihr Missbrauch zum Gegeneinander führe und somit ein „Verrat am Evangelium“ sei.

Einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden lebhaften Diskussionen gaben die Hauptreferenten des ersten Tages, Róża Gräfin Thun, Leiterin der Vertretung der EU-Kommission in Warschau, sowie Erzbischof Stanislav Hočevar aus Belgrad. Hočevar beschrieb die Angst vieler Osteuropäer, in einem geeinten Europa die eigene Identität zu verlieren. Diese Sorge sei in Serbien weit verbreitet. Er plädierte für bessere Geschichtskenntnisse über Osteuropa und schlug vor, in Serbien eine europäische Institution für den verstärkten interreligiösen Dialog zu schaffen.

Gräfin Thun ließ ebenfalls keinen Zweifel daran, dass das Thema Identität im europäischen Kontext an oberster Stelle stehe. Identität sei wichtig, so Gräfin Thun. Doch stehe sie nicht im Widerspruch zur „europäischen Wiedervereinigung“. Je stärker die eigene Identität ausgeprägt sei, umso offener könne man auch auf Andere zugehen.

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Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Christof Dahm und Thomas Hartl vom Renovabis-Kongress-Referat zur Verfügung: Telefon 08161/5309-70 oder -71, Fax: -44, E-Mail: kongress@renovabis.de