Arm und verzweifelt
Samstag, 08. Dezember 2007
Beim 15. Renovabis-Partnerschaftstreffen war die schwierige Situation alter Menschen in Osteuropa Schwerpunktthema
FREISING. Auf die schwierige Situation alter Menschen in ihrer Heimat hat die ungarische Ordensfrau Adrien Pekó in Freising hingewiesen. Die Vizepräsidentin der Union Europäischer Ordensobernkonferenzen (UCESM) nannte als Beispiel die Zahl von über 10.000 alten Menschen, die in Ungarn noch immer auf einen Platz im Pflege- oder Altenheim warteten. Auch steige die Zahl derjenigen, die sich einen Aufenthalt in einem Altenheim finanziell gar nicht mehr leisten könnten, so Pekó. Noch schlimmer als die wirtschaftliche Lage vieler alter Menschen sei aber ihre seelische Verfassung. Viele litten darunter, als Last empfunden zu werden. Dabei hätten sie selbst ihr Leben lang schwer gearbeitet und ihren Beitrag für die heutige Gesellschaft geleistet. Mit Blick auf diese Gemütslage sprach die Ordensschwester von einem „Missionsfeld in Europa“. Ihr größtes Anliegen sei es, die alten Menschen nicht nur finanziell abgesichert zu sehen, sondern auch glücklich. – Pekó äußerte sich beim 15. Renovabis-Partnerschaftstreffen auf dem Freisinger Domberg (7. und 8. Dezember). Zu der Veranstaltung hatte das katholische Osteuropa-Hilfswerk rund 140 Einzelpersonen, Vertreter von Pfarrgemeinden sowie von Verbänden und Vereinen aus dem gesamten Bundesgebiet eingeladen. Sie alle engagieren sich meist ehrenamtlich auf der Basis von Partnerschaften in Mittel- und Osteuropa.
Menschliches Gesicht der Solidarität
Beim diesjährigen Renovabis-Partnerschaftstreffen war die Situation alter Menschen im Osten Europas thematischer Schwerpunkt. Zwei Tage lang hatten die Teilnehmer durch Berichte von Gästen aus Rumänien, Tschechien und Ungarn einen unmittelbaren Eindruck von der gesellschaftspolitischen Entwicklung und von der schwierigen sozialen Lage alter Menschen in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas gewinnen können. Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth dankte den Teilnehmern für ihren Einsatz. Sie trügen durch ihr zumeist ehrenamtliches Engagement dazu bei, dass sich die benachteiligten Menschen in Mittel- und Osteuropa nicht allein gelassen fühlten. Mit ihren persönlichen Beziehungen zu Menschen anderer Länder machten sie Weltkirche erfahrbar. „Sie geben der Solidarität ein menschliches Gesicht“, betonte Demuth. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass es nicht einfach sei, Beziehungen zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Andererseits würde ein jeder auch erfahren, dass sich diese Mühe lohne „und wir immer wieder reich beschenkt werden“, so Demuth. – Unter dem Motto „Alt. Arm. Allein?“ will das katholische Osteuropa-Hilfswerk im kommenden Jahr auf die bedrückende Lage alter Menschen im Osten Europas hinweisen.
Das Renovabis-Partnerschaftstreffen findet seit 1993 einmal im Jahr vor dem zweiten Adventssonntag in Freising statt. Dabei tauschen sich die meist ehrenamtlich Engagierten aus dem gesamten Bundesgebiet über die Arbeit mit ihren Partnern im östlichen Teil Europas aus und bestärken sich gegenseitig in ihrem Einsatz. An dem Treffen nehmen auch Gäste aus Ländern Mittel-, Ost- sowie Südosteuropas teil und informieren über die Situation in ihrer Heimat.
Ansprechpartner für die Renovabis-Partnerschaftsarbeit: Thomas Müller-Boehr, Telefon 08161/5309-46 oder E-Mail: mb@renovabis.de
