Unbekannte Größe

Mittwoch, 21. November 2007

Zentralasien war Thema mehrerer Veranstaltungen von Renovabis und Kathedralforum St. Hedwig Berlin

BERLIN. Zentralasien wird zunehmend wichtiger: für die Wirtschaft, aber auch für die Politik. Im öffentlichen Bewusstsein jedoch ist die Region noch immer eine unbekannte Größe. Unter dem Thema „Zentralasien: Zwischen Rechtsstaat und Islamismus“ luden deshalb die Solidaritätsaktion Renovabis sowie das Kathedralforum St. Hedwig Berlin jüngst zu einer Fachtagung und einem Podiumsgespräch in der Hauptstadt ein. Beide Veranstaltungen sollten eine interessierte Öffentlichkeit über die politische und gesellschaftliche Entwicklung in den fünf unabhängigen Republiken der Region informieren. Dazu waren neben Vertretern aus Wissenschaft und Politik auch Bischof Janusz Kaleta, der Apostolische Administrator von Atyrau in Kasachstan, sowie Pater Wojciech Kordas, Pfarrer im usbekischen Buchara, eingeladen worden. – Politisch betrachtet besteht Zentralasien aus den fünf Republiken Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan.

Pater Kordas: Wir Christen sind geduldet

Der Referatsleiter Zentralasien im Auswärtigen Amt in Berlin, Johannes Regenbrecht, wies darauf hin, dass die Staaten Zentralasiens noch weit von einer Demokratie im westeuropäischen Sinn entfernt seien. Man könne allenfalls von einer „gelenkten Demokratie“ sprechen, in der es ganz allmählich Fortschritte zu mehr Rechtsstaatlichkeit gebe. Die Bundesregierung setze deshalb auf eine Politik der kleinen Schritte und berücksichtige damit die Empfindlichkeiten der Partner, so Regenbrecht.

Ein solches Vorgehen befürworten auch Bischof Kaleta und Pater Kordas. Bischof Kaleta machte deutlich, dass der Begriff Demokratie bei vielen Menschen in der Region noch immer negativ besetzt sei. Meist werde damit der Zerfall von staatlicher Ordnung und der Verlust des Arbeitsplatzes verbunden. Grund dafür sei die persönliche Erfahrung in den Wendejahren. Die Bezeichnung „Demokrat“ sei zu einem Schimpfwort geworden.

Pater Kordas beschrieb die Situation der kleinen katholischen Minderheiten in den zentralasiatischen Staaten als nicht ideal. In Ländern wie Kasachstan und Usbekistan machen die wenigen tausend Christen kaum ein Prozent der Bevölkerung aus. Eine große Mehrheit dort bekennt sich zu einem Islam, der als moderat gilt. Verfassungsrechtlich garantieren Kasachstan und Usbekistan freie Religionsausübung. „Wir Christen sind geduldet,“ sagte Kordas. Im Alltag habe die Kirche mit manchen Problemen zu kämpfen. „Aber wir müssen dabei an die Situation der Religionen in der Sowjetunion vor 1989 denken“, so Kordas. „Verglichen mit damals geht es uns heute viel besser.“

Renovabis unterstützt den Auf- und Ausbau der katholischen Gemeinden in den fünf zentralasiatischen Republiken. Allein im laufenden Jahr 2007 stellte das katholische Osteuropahilfswerk seinen Partnern 695.268 Euro für 45 pastorale und soziale Projekte zur Verfügung. Durch sein Engagement hat Renovabis einen umfassenden Einblick in die vielschichtige Situation vor Ort. Auch nicht-kirchliche Einrichtungen greifen gern auf dieses Wissen zurück.

Lesen Sie auch den Artikel von Dr. Christof Dahm zu diesen Veranstaltungen: „Zentralasien: Zwischen Rechtsstaat und Islamismus“