Geistige und ethische Werte vertiefen
Samstag, 22. September 2007
Renovabis-Kongress: Erzbischof Muszyński spricht sich für Neuevangelisierung Europas aus
FREISING. Für eine Vertiefung geistiger und ethischer Werte in Europa hat sich der Erzbischof von Gniezno (Gnesen) in Polen, Henryk Muszyński, ausgesprochen. Zum Abschluss des elften internationalen Renovabis-Kongresses in Freising sagte Muszyński am Samstag (22. September), nur die Erneuerung geistiger und ethischer Werte schaffe auch einen neuen Menschen als das einzige, dauerhafte Fundament eines neuen Europa. Angesichts einer vom Wohlstand und Konsum ausgelösten geistigen Leere sei eine Neuevangelisierung nötig. Diese müsse die Spaltung zwischen Glaube und Leben, zwischen Religion und christlichem Zeugnis beheben. Als Ausdruck einer solchen Erneuerung bezeichnete Muszyński geistige Bewegungen sowie Zentren wie das französische Taizé oder das polnische Lednica.
Der Erzbischof erinnerte an eine Aussage von Papst Johannes Paul II. Dieser habe mit Blick auf die europäische Kultur von dem „satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe“, gesprochen. Papst Benedikt XVI. habe in Weiterentwicklung des Gedankens vorgeschlagen, „in Europa so zu leben, als ob es Gott gibt“. Das Risiko, diesen Rat zu befolgen, sei klein, so Muszyński, „aber die Chance riesengroß.“ Respektierten die Menschen dieses Prinzip, würden sie zu „anständigen, ja guten Menschen“.
Pater Demuth: Laien habe besondere Rolle
Zuvor hatte der polnische Wissenschaftsminister Professor Michał Seweryński davor gewarnt, Glaube und Wissenschaft voneinander zu trennen. Beide Bereiche seien zwei wichtige Komponenten, die sich ergänzten. Mit Blick auf die Stammzellforschung und Experimente an menschlichen Embryonen betonte Seweryński den Vorrang der Ethik. Trotz Freiheit der Forschung dürfe nicht alles umgesetzt werden, was technisch machbar sei. Würden unveräußerliche christliche Grundsätze aufgegeben, käme es zur Katastrophe. Das gelte auch für Demokratien ohne ein moralisches Wertefundament. „Nur wenn der Glaube aufrecht erhalten wird, können die Menschen und nachfolgende Generationen geschützt werden“, sagte Seweryński. Der Jurist sprach sich für einen ganzheitlichen Bildungsansatz aus. Lehrer sollten junge Menschen darauf vorbereiten, dass sie Ziele entwickeln und erreichen könnten. Die Bildung, so Seweryński, müsse auf humanistische Werte zugeschnitten sein und dürfe den christlichen Glauben nicht außer Acht lassen.
In seinem Schlusswort machte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth noch einmal deutlich, dass die Einheit zwischen Glaube und Leben ein „sehr wichtiger Aspekt“ des christlichen Lebens sei. Jedem Getauften sei es aufgetragen, am Kommen des Reiches Gottes und damit am integralen Heil des Menschen mitzuwirken. Dies beinhalte auch, die Gesellschaft mitzugestalten. Zu den Aufgabenfeldern von Christen in der Welt zählte Demuth die Vermittlung von Grundwerten, wie die Würde der menschlichen Person, die Sinnstiftung, die Förderung eines solidarischen Miteinanders in der Gesellschaft und das Eintreten für benachteiligte Menschen. Dabei würdigte Demuth die besondere Rolle der Laien beim Entstehen der Zivilgesellschaft für ein neues Europa. „Eine Erneuerung der menschlichen Gesellschaft im christlichen Geist kann nur gelingen, wenn Laien an ihrem jeweiligen Ort vom Glauben Zeugnis geben“, sagte Demuth. Auf diese Aufgabe müssten sie vorbereitet werden. Dazu zählten Sachkompetenz und vor allem personale Bildung. – 2008 findet der Renovabis-Kongress vom 4. bis 6. September in Freising statt. Er steht unter dem Motto „Kirche und Nation“.
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