„Kultur ist kein Luxus“
Freitag, 21. September 2007
Internationaler Renovabis-Kongress: EU-Kommissar Ján Figel' fordert größere Anstrengungen bei Integration der Völker
FREISING. EU-Kommissar Ján Figel’ hat der Kultur beim Aufbau eines vereinten Europas eine entscheidende Rolle zugewiesen. Die immer vielfältiger werdende Europäische Union (EU), so Figel’, könne sich nicht mehr nur allein über ihre traditionellen politisch-ökonomischen Betätigungsfelder definieren. Zunehmend wichtiger werde die Integration der Völker. Deshalb müssten immaterielle Werte stärker in den Vordergrund rücken. Erst so könne sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Figel’, als EU-Kommissar zuständig für die Bereiche Bildung sowie Kultur und Jugend, machte deutlich, dass Wertvorstellungen die Menschen in Europa zusammenhielten. Er sprach sich nachdrücklich dafür aus, einen Sinn für das Bürgersein in Europa zu entwickeln. Dabei sei die Kultur das Kernstück, weil diese alles durchdringe. „Kultur ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit“, so der EU-Kommissar. – Figel’ äußerte sich beim elften internationalen Renovabis-Kongress, der noch bis Samstag (22. September) in Freising stattfindet.
Kardinal Wetter: Osteuropa braucht weiter Hilfe des Westens
Das Präsidiumsmitglied des Europäischen Parlaments, Ingo Friedrich, sieht beim Aufbau Europas die Christen in der Pflicht. Es gehe darum, die Gesellschaft menschlicher und menschenwürdiger zu gestalten, sagte der CSU-Politiker. Für ihn gebe es keinen Gegensatz zwischen Glaube und Welt. Friedrich, der sich für einen Gottesbezug im neuen EU-Reformvertrag stark macht, warb um die Formulierung aus der polnischen Verfassung: „Diese müsste doch für alle konsensfähig sein.“ – In der polnischen Verfassung heißt es sinngemäß: „Wir achten den Glauben derjenigen, die an Gott als die Quelle alles Guten, Gerechten, Wahren und Schönen glauben, und wir achten diejenigen, die diesen Glauben nicht teilen, aber diese Werte aus anderen Quellen bejahen“.
Zuvor hatte sich bereits Kardinal Friedrich Wetter für einen Gottesbezug ausgesprochen. Wenn der Papst, Bischofskonferenzen, Laiengremien und zahlreiche Persönlichkeiten verschiedener Kirchen und Konfessionen für einen solchen Gottesbezug plädierten, täten sie dies um des Menschen willen, nicht, um Menschen anderer Überzeugung ihren christlichen Gottesglauben aufzunötigen, sagte der Apostolische Administrator für das Erzbistum München und Freising. Europa brauche seine christlich-jüdischen Wurzeln als gemeinsames Wertefundament. Dafür müssten sich Christen „vehement“ einsetzen.
Wetter unterstrich, dass die Menschen in Osteuropa weiterhin auf die Unterstützung durch das westliche Europa angewiesen seien: „Wir dürfen die vielen, die ihre Hoffnung auf uns setzen und unsere Hilfe brauchen, nicht enttäuschen“. Der Kardinal dankte der Solidaritätsaktion Renovabis, dass sie bei der Gestaltung des politisch-gesellschaftlichen Lebens im östlichen Europa mitwirke.
Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth hob hervor, dass das diesjährige Kongress-Motto, „Gesellschaft gestalten – Glauben entfalten. Christen in Mittel- und Osteuropa“, das Handlungsfeld der Solidaritätsaktion widerspiegele. Der Gedanke von der „Investition in den Menschen“ stehe dabei im Mittelpunkt des vielfältigen Engagements. Ziel sei es, die Partner in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas in ihrem selbstständigen Handeln zu stärken, so Demuth. Seit 1993 half Renovabis benachteiligten Menschen in 28 Staaten durch über 14.000 Projekte. Dafür wurden mehr als 400 Millionen Euro aufgebracht.
[Mehr zum Kongress]
