Ausgebeutet und erniedrigt
Freitag, 09. März 2007
Fachtagung: Ruf nach mehr Schutz für Opfer des Frauenhandels
REGENSBURG. Für einen besseren gesetzlichen Schutz von Opfern des Frauenhandels haben sich die Teilnehmer einer Fachtagung in Regensburg ausgesprochen. Würden Frauen und Mädchen effektiv geschützt, sei dies der beste Baustein im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, unterstrich die frauenpolitische Sprecherin des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Heike Rudat. So stehe und falle ein Strafverfahren mit der Aussage des Opfers: Fühle sich die Frau sicher, würde sie gegen ihre Peiniger aussagen, so Rudat. Die Kriminaldirektorin warb nachdrücklich für ein längeres Aufenthaltsrecht des Opfers, unabhängig von der Aussagebereitschaft.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden jährlich circa 500.000 Frauen und Mädchen aus Osteuropa Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung. In Deutschland geht man von jährlich 200.000 Zwangsprostituierten aus. Rudat wies darauf hin, dass es sich nicht nur um ein Problem von Migrantinnen handele. So kämen zwar die meisten Opfer aus Rumänien. Die zweitgrößte Gruppe seien jedoch Frauen aus Deutschland. – Rudat gehörte zu den 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Veranstaltung im Regensburger Kolpinghaus zum Thema „Spiel ohne Grenzen? Frauenhandel bekämpfen – eine europäische Herausforderung“. Die Veranstaltung am Weltfrauentag (8. März) war vom „Aktionsbündnis gegen Frauenhandel“, der Hanns-Seidel-Stiftung und der Solidaritätsaktion Renovabis organisiert worden und fand bereits zum vierten Mal in Bayern statt. Die Teilnehmer kommen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens.
Bischof Cosa: Kämpfen für Respekt vor der Würde der Frau
Auch der Vertreter des österreichischen Außenministeriums, Johann Fröhlich, sprach sich wie Rudat für das so genannte italienische Modell aus. So werden Opfer des Frauenhandels in Österreich – in Anlehnung an eine Regelung in Italien – nicht sofort abgeschoben, sondern erhalten eine sechsmonatige Aufenthaltserlaubnis, und zwar unabhängig davon, ob sie vor Gericht aussagen oder nicht. Eine solche Gesetzgebung gibt es in Deutschland nicht. Dennoch machte die bayerische Europaministerin Emilia Müller deutlich, dass für den Freistaat im Kampf gegen den Menschenhandel ein starker und vertrauensvoller Opferschutz besonders wichtig sei. Dabei setze man auf eine enge Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und unterschiedlichen sozialen, caritativen sowie kirchlichen Einrichtungen. Stellvertretend nannte Müller die von der bayerischen Regierung geförderten Opfer-Fachberatungsstellen „JADWIGA“ und „SOLWODI“. Ausdrücklich dankte sie den Tagungsteilnehmern für ihr persönliches Engagement: Sie seien für Frauen, denen ihre Würde und Rechte geraubt wurden, ein wichtiges Sprachrohr.
Zuvor hatte der Bischof von Chisinau in der Republik Moldau (Moldawien), Anton Cosa, einen aufrüttelnden Zustandsbericht von der Situation in seiner Heimat gegeben. Der kleine Staat im Südosten Europas gilt als eines der bevorzugten Länder der Menschenhändler. Hauptursache ist die Armut. So leben 29 Prozent der 4,3 Millionen Einwohner unter dem Armutsniveau. Ungefähr ein Viertel der Bevölkerung hat die Heimat auf der Suche nach Arbeit verlassen. Leidtragende dieser Entwicklung seien die Familien, und dort vor allem die Frauen, so der Bischof. Diese würden zu einem Instrument der Ausbeutung und des Profits. Obwohl die katholische Kirche in der Republik Moldau nur eine Minderheit der Bevölkerung vertritt, kämpfe sie mit „klaren Botschaften“ in der Öffentlichkeit für den Respekt vor der Frauenwürde, betonte Cosa. Dabei bleibt es nicht bei Worten. So unterstützt die katholische Kirche die Familien im Land und hilft den Opfern des Frauenhandels bei der Rückkehr nach Moldau und bei ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft. In diesem Bemühen wird sie von den deutschen Katholiken durch Renovabis unterstützt
