Fremder Nachbar?

Donnerstag, 24. Januar 2008

„Islam in Europa“ ist Thema im aktuellen Heft der Renovabis-Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“

FREISING. Der Islam bewegt die Gemüter. Und nicht selten prägt eine Schwarz-Weiß-Malerei die leidenschaftlich geführte öffentliche Diskussion. Dabei ist der Islam auf dem europäischen Kontinent ein Phänomen nicht erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts, als Muslime in zunehmender Zahl nach West- und Mitteleuropa einwanderten. Den Islam als Religion und muslimisch geprägte Gesellschaften gibt es dort bereits seit Jahrhunderten. Dennoch ist er vielen Zeitgenossen bis heute ein fremder Nachbar geblieben.

Die aktuelle Ausgabe der Renovabis-Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) greift diese Tatsache auf. Unter dem Thema „Islam in Europa“ zeichnet das Autorenteam die Geschichte der Muslime auf dem Kontinent nach und unterstreicht dabei, dass dem Islam im europäischen Einigungsprozess eine wichtige Rolle zukommt.

„Pro und contra“ EU-Beitritt der Türkei

Zwei Beiträge zur Rolle des Islam in und für Europa vom achten Jahrhundert bis in die Gegenwart eröffnen das Heft. Mark Bodenstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, geht der Entstehung muslimischer Gemeinschaften in Europa nach. Ines Weinrich, Assistentin an der Professur für Islamkunde und Arabistik der Universität Bamberg, widmet sich den kulturellen und geistesgeschichtlichen Einflüssen des Islam auf die gesamteuropäische Entwicklung.

Von hoher Brisanz ist die Frage nach dem Beitritt der Türkei in die Europäische Union. Timo Güzelmansur, wissenschaftlicher Mitarbeiter von CIBEDO, der christlich-islamischen Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt (Main), stellt die komplizierte Entwicklung der Türkei zum laizistischen Staat sowie die Rolle des Islam innerhalb des Denkens von Mustafa Kemal Atatürk dar. Die darin enthaltenen Klarstellungen sind wichtige Anhaltspunkte für die weitere Diskussion im Heft selbst: Die Redaktionsmitglieder Professor Thomas Bremer und Professor Michael Albus äußern sich „pro“ und „contra“ hinsichtlich eines Beitritts der Türkei zur Europäischen Union.

Fünf unterschiedlich strukturierte Texte beschreiben Geschichte, gesellschaftliche Rolle und aktuelle Lage der Muslime in einigen Ländern Europas, in denen der Islam seit Jahrhunderten ununterbrochen vorhanden ist. Vorgestellt werden Albanien, Bosnien, Bulgarien, Russland und die Ukraine. Abgeschlossen wird das Heft mit einer Reportage von Rupert Neudeck („Grünhelme“) über den Kosovo, dessen politische Zukunft mehr als ungewiss ist. Da die dortige Bevölkerung ganz überwiegend dem Islam angehört, ist eine Verbindung zur Gesamtthematik hergestellt.

Die Renovabis-Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) kostet als Einzelexemplar 6,50 Euro. Sie kann unter Telefon 08161 / 5309-71 oder per E-Mail: owep@renovabis.de angefordert werden. Einen Überblick über den Inhalt der aktuellen Ausgabe sowie zwei Artikel im Volltext finden Sie im Internet unter www.owep.de. Das Heft 1/2004 widmete sich bereits dem Thema „Christentum und Islam in Europa“.