Orientierung durch Werte

Freitag, 01. Dezember 2006

Bei Podiumsgespräch von Renovabis und Passauer Verlagsgruppe wird deutlich, wie wichtig Familien für die Erziehung sind

PASSAU/FREISING. Wie lassen sich jungen Menschen Werte vermitteln? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Podiumsgesprächs, das am Donnerstagabend (30. November) im Medienzentrum der Verlagsgruppe Passau in Passau stattfand. In Zusammenarbeit mit der Solidaritätsaktion Renovabis hatte die Verlagsgruppe zur Abschlussveranstaltung der diesjährigen Reihe „Menschen in Europa“ eingeladen. Moderiert von ARD-Chefredakteur Thomas Baumann diskutierten Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, und der Bischof aus Opole/Oppeln (Polen), Erzbischof Alfons Nossol.

Angesichts aktueller Beispiele jugendlicher Gewalt wurde darüber nachgedacht, ob die Gesellschaft orientierungslos geworden sei und was man tun müsse, um wieder Orientierung zu gewinnen. Erzbischof Nossol stellte ein fehlgeleitetes Freiheitsverständnis in den west- und osteuropäischen Gesellschaften fest: Freiheit werde fälschlich als Willkür interpretiert. Man traue sich kaum mehr „Farbe zu bekennen“ und sich auf traditionelle Werte zu beziehen. Letzteres häufig aus Angst, „als Fundamentalist abgestempelt zu werden“. Ohne Orientierung an Werten könne der junge Mensch aber nicht zu sich selber finden, betonte Nossol. Der Erzbischof hob im Zusammenhang der Wertevermittlung die Bedeutung der Familie hervor. Doch deren Situation sei – auch in Mittel- und Osteuropa – schwieriger geworden. Wenn sich etwa polnische Arbeitnehmer Arbeitsplätze im Westen suchten, würden dadurch Familien auseinander gerissen und einander entfremdet.

Altbundespräsident von Weizsäcker: Erziehung ist Aufgabe eines jeden Einzelnen

Auch Kardinal Sterzinsky gab zu bedenken, dass die Familie „als erziehender Faktor immer mehr zurücktritt“. Man könne nicht sagen, dass Eltern daran Schuld seien. Sie hätten es im heutigen gesellschaftlichen Umfeld jedoch „viel schwerer, ihren positiven Einfluss geltend zu machen“. Sterzinsky verwies auf das von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen angeregte „Bündnis für Erziehung“ und sprach sich dafür aus, einen neuen Erziehungskonsens zu suchen. Darin sollten auch die klassischen Kardinaltugenden ihren Platz finden.

Altbundespräsident Richard von Weizsäcker appellierte an die mehr als 600 Zuhörer in Passau, Erziehung als übergreifende Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte und jedes Einzelnen zu begreifen. Auf Vorgaben und Unterstützung durch die Politik dürfe man sich nicht allein verlassen. Eltern, Schulen, die Kirchen, aber auch Erzieher in öffentlichen Einrichtungen wie Kindertagesstätten seien hier gemeinsam gefordert. Dass Orientierung durch Werte und „eine Erziehung zur Selbstverantwortung“ besonders im familiären Kontext geschehen könne und müsse, unterstrich auch von Weizsäcker. Angesichts der demographischen Fakten mahnte er an, es müsse zuvor auch darum gehen, „dass überhaupt Ehen und Familien gegründet werden“, das heißt „zum Elternstand ermutigt werde“.