Renovabis stellt sich hinter Bischof Skworc
Freitag, 10. November 2006
Polnischer Bischof fälschlich der Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst beschuldigt
FREISING. Seit einiger Zeit bestehen Gerüchte, denen zufolge Bischof Wiktor Skworc (Tarnow), Ko-Vorsitzender der Kontaktgruppe der polnischen und deutschen Bischöfe, in den 80er-Jahren - damals noch Mitarbeiter der Kattowitzer Kurie – “Inoffizieller Mitarbeiter” des polnischen Staatssicherheitsdienstes (SB) gewesen sein soll. Selbst in Pressemeldungen der KNA wurde er zunächst zu Unrecht als “langjähriger Spitzel” und “SB-Mitarbeiter” bezeichnet. Inzwischen hatte Bischof Skworc im Gespräch mit der KNA ausführlich Gelegenheit, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen (KNA-Basisdienst vom 7.11.2006). Auch Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth wies im Namen des katholischen Osteuropahilfswerks die Vorwürfe gegen Bischof Skworc mit Nachdruck zurück.
Bischof Skworc beauftragte selbst vor einigen Monaten die kirchliche Historiker-Kommission in Katowice (Kattowitz) mit der Prüfung der Unterlagen des polnischen Staatssicherheitsdienstes (SB). Von der Tatsache, dass er seitens der SB im Jahre 1979 als “Inoffizieller Mitarbeiter” registriert wurde, erfuhr er erst jetzt aus den Akten. Es war offenbar gängige Praxis des polnischen Staatssicherheitsdienstes, Kleriker ohne deren Wissen oder Einwilligung als “Inoffizielle Mitarbeiter” zu führen und ihnen Decknamen zu geben. Der Staatssicherheitsdienst führte für jeden Priester ab dem Eintritt ins Priesterseminar eine Akte.
In den Unterlagen über Bischof Skworc fanden sich Protokolle von sechs Gesprächen in den Jahren 1979/80, die er teils bei der Entgegennahme der Reisepässe für Bischof Bednorz und für sich selbst führen musste oder die seitens des Staatssicherheitsdienstes erzwungen wurden. In den Akten finden sich außerdem noch Vermerke über vier weitere Gespräche aus den Jahren 1986/88, die humanitären Charakter haben, u.a. Verhandlungen über die Freilassung der inhaftierten Kumpel der Grube “Wójek” in Katowice, wo am 16. Dezember 1981, unmittelbar nach Verhängung des Kriegsrechts in Polen, neun Arbeiter getötet und zahlreiche weitere verletzt wurden. Diese Kontakte gehörten zu seinen dienstlichen Aufgaben und erfolgten im Auftrag und mit Wissen seiner Bischöfe. Die Historische Kommission fand keine einzige von Skworc erstellte oder übergebene Information. Es befinden sich in den Akten ausschließlich einseitig von Mitarbeitern der Staatssicherheit verfasste Aufzeichnungen.
Anders als in Polen, wo die Veröffentlichung des entlastenden Berichts mit Erleichterung aufgenommen wurde, wird Bischof Skworc in Deutschland in Teilen der Presse weiter als angeblicher Mitarbeiter oder “Spitzel” mit dem Staatssicherheitsdienst in Verbindung gebracht. Dagegen hat Radio Vatikan bereits am 7.11.2006 die unzutreffende Pressemeldung zurückgezogen und sich entschuldigt.
Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, kennt Bischof Skworc seit vielen Jahren. Nach Einschätzung von Renovabis wird Bischof Skworc völlig zu Unrecht beschuldigt.
