Die Familie als Verlierer
Donnerstag, 31. August 2006
Internationaler Kongress Renovabis hat begonnen
FREISING. Als „vergessene Leistungsträger der Gesellschaft“ hat die Präsidentin des Familienbunds der Katholiken, Elisabeth Bußmann, die Familien bezeichnet. Zum Auftakt des zehnten Internationalen Kongresses Renovabis in Freising forderte Bußmann unter Verweis auf Kinderarmut und „Armut an Kindern“ in Deutschland mehr Schutz und Förderung von Familien. Die Verbandspräsidentin mahnte verlässliche Rahmen-bedingungen sowie Zeit, Geld und Infrastruktur an, damit Familien als Familie leben könnten. Auch der Erzbischof von Berlin, Kardinal Georg Sterzinsky, betonte in seiner Eröffnungsrede, dass sich viele gesellschaftliche Entwicklungen „ausgesprochen belastend“ für Ehe und Familie auswirkten. Nicht selten stünden Familien als Moder-nisierungsverlierer da, so Sterzinsky. Deshalb sei es wichtig, die Bedeutung der Familie für die Zukunft von Gesellschaft und Kirche immer wieder neu zu erläutern.
Unter dem Motto „Lebensform Familie – Zukunftsfrage für Europa“ setzen sich noch bis Samstag (2. September) über 300 Vertreter des öffentlichen Lebens aus 24 europäischen Ländern auf dem Freisinger Domberg mit den unterschiedlichen Aspekten von Familie auseinander. Gastgeber ist das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis.
Familie steht nach wie vor hoch im Kurs
Die „Lebensform Familie“ stehe europaweit vor großen Herausforderungen, so Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth. Über seine Partner in den früheren kommunistischen Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas wolle Renovabis deshalb den Familien vor Ort Mut machen und Hilfe leisten. Nach wie vor stehe die Familie auch in den osteuropäischen Ländern hoch im Kurs. Dort sei es gerade die Familie, die ihre Mitglieder in Schwierigkeiten auffange, weil die sozialen Sicherungssysteme meist nur mangelhaft funktionierten, sagte Demuth. Andererseits seien gerade die Familien in Osteuropa die größten Verlierer der gesellschaftlichen Veränderungen im Zeitalter der Moderne.
Die slowakische Europaparlaments-Abgeordnete Anna Záborská wies darauf hin, dass die Einstellung zum Wert der traditionellen Familie wieder positiver werden müsse. Für diesen Bewusstseinswandel seien ein langfristiges Programm und viel Geduld erforderlich. Grundsätzlich müsse es aber darum gehen, eigene Verantwortung zu übernehmen. Der Erzbischof von Vilnius (Litauen), Kardinal Audrys Juozas Bačkis, nahm in diesem Zusammenhang christliche Eltern und Familien in die Pflicht: Sie müssten eine Vorbildfunktion übernehmen und den Beweis antreten, dass ein Leben in der Familie gelingen könne.
Nordrhein-Westfalens Familienminister Armin Laschet warb als Anwort auf den demografischen Wandel für eine innovative Familien- und Integrationspolitik. Mit Blick auf Maßnahmen der nordrhein-westfälischen Landesregierung nannte Laschet als Beispiele den Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder, das Beratungsangebot durch Familienzentren sowie die Förderung der frühkindlichen Bildung.
