Stopp dem Frauenhandel!
Freitag, 18. November 2005
Katholischer Deutscher Frauenbund und Renovabis für mehr Anstrengungen gegen Zwangsprostitution
Gemeinsame Pressemitteilung von KDFB und Renovabis
Augsburg, 18.11.2005 „Stopp dem Frauenhandel“ – unter diesem Motto forderten der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) und Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, heute in Augsburg verstärkte Anstrengungen gegen Zwangsprostitution. Die Veranstaltung stand am Ende eines einwöchigen Begegnungsprogramms, das der KDFB und Renovabis mit der ungarischen Partnerorganisation KNFE vorbereitet hatten. Organisierter Menschenhandel mit Frauen aus Mittel- und Osteuropa ist – so ein Fazit des Erfahrungsaustausches – seit dem Fall des Eisernen Vorhangs zu einem massiven Problem geworden, das sich nach der EU-Osterweiterung weiter verschärft hat. Schätzungen der UN zufolge werden jährlich ca. 500.000 junge Mädchen und Frauen zur Prostitution gezwungen.
Zsuzsa Huszka und Monika Käfer, die Leiterinnen der ungarischen Delegation, resümierten: „Angesichts des Leides der betroffenen Opfer und der menschenverachtenden Praktiken von Frauenhändlern ist dringender Handlungsbedarf geboten.“ Kathi Böhm, Vorsitzende des KDFB Augsburg, will für den Frauenbund hier tätig werden. Wichtige Verbündete sieht sie hier wie dort bei den Verantwortungsträgern in Kirche und Staat. „Vor Ort muss dringend das Bewusstsein für diese Gefahren geschärft werden. Dabei können die europäischen Frauennetzwerke sowie alle Laien und Geistlichen in der Kirche mithelfen,“ so Kathi Böhm.
„Frauenhandel und Zwangsprostitution sind übelste Formen Organisierter Kriminalität, über die viel zu wenig gesprochen wird“, so Burkhard Haneke von Renovabis, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Frauenhandel, in dem sich verschiedene Hilfsorganisationen, Verbände und Initiativen – darunter auch der Bayerische Landesverband des KDFB – zusammengeschlossen haben. „Das Thema muss aus der Tabuzone heraus. Auch Freier müssen begreifen, dass sie sich mitschuldig machen, wenn sie wegschauen“, so Haneke weiter, der verschiedene Präventions- und Opferschutzprojekte in Mittel- und Osteuropa beispielhaft vorstellte.
Gezeigt wurde u. a. auch der von Renovabis geförderte Dokumentarfilm „Balkanroute“, den die Fernsehjournalistin Ulrike Baur 2002 für das ZDF/3Sat/Arte gedreht hat. Eindrucksvoll wird hier das Schicksal einer jungen Rumänin geschildert, die mit falschen Versprechungen und dubiosen Arbeitsangeboten in den Westen gelockt und über verschiedene Stationen Südosteuropas bis nach Italien verschleppt, eingesperrt und zur Prostitution genötigt wurde. Der mit mehreren Medienpreisen ausgezeichnete Film ließ für die Teilnehmerinnen erkennen, dass intensive Aufklärung und Sensibilisierung für vermeintliche Lockangebote, sicherer Opferschutz für Betroffene und nachhaltige rechtliche Bestimmungen zusammenwirken müssen, um den kriminellen Menschenhändlern das Handwerk zu legen.
Zum Aktionsfeld von Renovabis gehört daher auch eine Informationskampagne in Moldawien, die junge Mädchen und Frauen in TV-Spots, Plakaten und Anzeigen vor den falschen Versprechungen von Menschenhändlern warnt. Im rumänischen Temeswar unterstützt Renovabis einen Schutz- und Wohnraum für die Opfer von Zwangsprostitution, die dort auch sozialpsychologisch betreut werden. Ein Rechtsschutzprogramm in Bijelina (Bonien-Herzogowina) hilft betroffenen Zwangsprostituierten mit juristischer Beratung, Schadensersatzforderungen geltend zu machen und zu einem Leben in Selbstachtung zurückzufinden. Frauenbundsfrauen des Diözesanverbandes Augsburg und Vertreterinnen des Bayerischen Landesverbandes, die sich im Aktionsbündnis gegen Frauenhandel engagieren, ergänzten diese Ausführungen mit Beispielen aus ihrer Arbeit.
KDFB-Präsidentin Ingrid Fischbach kündigte heute in Köln an, dass der Katholische Deutsche Frauenbund weiter konsequent gegen das Thema Zwangsprostitution Stellung beziehen werde. Gerade mit Blick auf die anstehende Fußballweltmeisterschaft sei eine Sensibilisierung für das Thema unerlässlich. „Wir wissen, dass zur WM im nächsten Jahr zigtausend Prostituierte angeheuert werden, unter denen sich zweifelsfrei viele Zwangsprostituierte befinden“, erläuterte Fischbach. Den amtierenden Bundesinnenminister Otto Schily habe man ausdrücklich auf die Problematik hingewiesen und um konkrete Gegenmaßnahmen gebeten, so Fischbach. Dieses Anliegen werde auch dem neuen Bundesinnenminister mit Nachdruck unterbreitet werden.
Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite www.gegen-frauenhandel.de
