Zwangsprostitution – ein tabuisierter Skandal
Donnerstag, 27. Oktober 2005
Berlin/Freising, 27.10.05 „Stopp dem Frauenhandel! Brennpunkt Osteuropa“ war eine Veranstaltung der Solidaritätsaktion Renovabis mit dem KDFB-Berlin im Kathedralforum St. Hedwig überschrieben. Die Bundestagsabgeordnete und KDFB-Präsidentin Ingrid Fischbach forderte, dass Zwangsprostitution und Frauenhandel „aus der Tabuzone“ ins öffentliche Bewußtsein gebracht werden müssen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und noch einmal verstärkt nach der EU-Osterweiterung habe der Menschenhandel mit Frauen aus dem mittel-, ost- und südosteuropäischen Raum schwunghaft zugenommen. Es sei auch bekannt, dass derzeit bereits „zigtausende Frauen für die Fußballweltmeisterschaft 2006 angeheuert werden“, unter denen sich zweifelsfrei auch viele Zwangsprostituierte befänden. Handlungsbedarf sehe hier aber seltsamerweise bei den WM-Organisatoren in Sport und Politik bisher niemand.
Mangelnde Aufmerksamkeit für den Skandal des Frauenhandels konstatierte auch Schwester Lea Ackermann, Gründerin und Präsidentin von SOLWODI (Solidarität mit Frauen in Not). Das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2001, das die Prostitution legalisiert hatte, habe die Situation für Frauen, die sich illegal in Deutschland aufhalten und in der Zwangsprostitution gelandet seien, nur verschlimmert. Polizeirazzien in Bordellen fänden kaum mehr statt. Auch wenn die Opferzahlen deutlich zugenommen hätten, „werden immer weniger von ihnen gefunden“.
Notwendig sei - so Schwester Lea – aber auch ein Blick auf die sogenannten „Freier“, deren Nachfrage erst den Markt schaffe. Sie begrüße, dass im Deutschen Bundestag, aber auch im Europarat, offensiv die Möglichkeit einer Bestrafung von Freiern diskutiert werde, die die Zwangslage von Frauenhandelsopfern ausnützen.
Mehr Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Zwangsprostitution, stärkeren Durchgriff der Polizeien bei gleichzeitigem Opferschutz sowie grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Bekämpfung dieser Form von Organisierter Kriminalität hielten die Veranstalter für nötig. Weiter waren sie sich darüber einig, dass auch verstärkte Maßnahmen in den Herkunftsländern der gehandelten Frauen erforderlich seien. Aufklärung und Prävention bei ausreisewilligen Frauen, die leicht auf falsche Versprechungen von Menschenhändlern hereinfallen, sind hier wichtig, ebenso wie Hilfen für Rückkehrerinnen, die aus der Zwangsprostitution befreit werden konnten.
Renovabis hat hier inzwischen einige Pilotprojekte in Ländern wie Litauen, Rumänien, Moldawien und der Ukraine ermöglicht, darunter auch Hot-Lines für Frauenhandelsopfer. Eine solche Hot-Line forderte Lea Ackermann im Berliner Kathedralforum nun auch für Deutschland. Sie engagiere sich derzeit stark dafür, einen solchen Anlaufpunkt mit einer bundesweit einheitlichen Rufnummer zu schaffen.
