Macht Blick zu Menschen auf Schattenseite frei

Montag, 22. August 2005

Vertreter aus Politik und Kirche würdigen 9. Internationalen Renovabis Kongress zu "Neuer Reichtum - neue Armut"

FREISING (lu). „Neuer Reichtum – neue Armut“, unter diesem Titel richtet Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, vom 1. bis 3. September den 9. Internationalen Kongress in Freising aus. Bei diesem werden Repräsentanten aus dem In- und Ausland ihre Position zu den „sozialen Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa“ darlegen. Politiker sowie Verantwortliche aus Kirche und Gesellschaft bekunden bereits vorab ihre hohe Wertschätzung gegenüber dem Kongress auf dem Freisinger Domberg.

Für die Bundesentwicklungsministerin Heidi Wiedzorek-Zeul kann der Kongress „Perspektiven für eine sozial gerechte Gestaltung des Transformationsprozesses entwickeln“ helfen. Für den Europa-Parlamentarier Elmar Brok stellt der Renovabis-Kongress eine „gute Gelegenheit“ dar, „einen Blick auf das zu werfen, was die (EU-Ost)-Erweiterung bisher gebracht hat“ und den Menschen noch bringen kann. Dabei darf, so der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Dr. Wolfgang Huber, in Übereinstimmung mit dem Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europäischen Parlament, Prof. Hans-Gert Pöttering, eines nicht übersehen werden: „Trotz aller Bemühungen und Fortschritte in den letzten Jahren ist in vielen Bereichen Osteuropas Armut, soziale Ausgrenzung, Ausbeutung und Unsicherheit das Schicksal unzähliger Menschen geblieben“ – vor allem außerhalb der EU. Um so mehr sei der Kongress als Gesprächsort nötig, der den Blick auf die Menschen auf der Schattenseite wirft. Renovabis, so Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sei eine Einrichtung, die Solidarität und soziale Gerechtigkeit als Grundwerte christlichen Handelns vertritt und einen Beitrag zu ihrer Umsetzung leistet. Dass dies nötig ist, unterstreicht der Metropolit von Minsk und Slutzk und Patriarchal-Exarch für Belarus, Filaret, mit Blick auf die soziale Realität im Osten Europas: “Die soziale Spannung zwischen einer kleinen Zahl neuer Reicher und einer gewaltig großen Zahl verarmter Menschen verursacht eine politische Instabilität.“ Darüber hinaus seien die christlichen Kirchen dazu aufgerufen, die ethisch-moralischen, geistigen und geistlichen Werte zu festigen, meint Metropolit Augoustinos von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa. Bundeskanzler Gerhard Schröder hebt die Rolle der christlichen Kirche beim Neubau im Osten Europas hervor, da sie das europäische Sozialmodell mit entwickelt haben.

Für den Apostolischen Nuntius Erzbischof Erwin Josef Ender eröffnet der Kongress die Möglichkeit, ein „Korrektiv zu bilden, … dass die Schwächeren nicht ohne Schutz dastehen“. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus spricht von einem „notwendigen Forum, um sich über wirtschaftliche, soziale und normative Fragen auszutauschen“.

EU-Kommissar Günter Verheugen erhofft sich vom Kongress, dass die Teilnehmer erkennen, „dass sich das Engagement für die europäische Integration lohnt“ – gerade wegen aller sozialen Nöte.