"In der Ökumene mit Orthodoxen liegt die Zukunft"

Freitag, 01. Juli 2005

Ökonom der russischen Diözese „Verklärung Christi“ zur Lage der katholische Kirche im Reich Putins

FREISING/NOVOSIBIRSK (lu). Auf die Solidarität der deutschen Katholiken angewiesen bleibt die katholische Kirche in Russland. Dies unterstrich der Ökonom der russischen Diözese „Verklärung des Herrn“ mit Sitz in Novosibirsk, Pater Ubaldo Orlandelli, bei einem Besuch von Renovabis in Freising.

Knapp 40.000 Katholiken leben in der Diözese „Verklärung des Herrn“ auf einem Gebiet von mehreren Millionen Quadratkilometern in Westsibirien. Und sie werden in rund 120 Pfarreien und Filialgemeinden betreut, deren Pfarrgebiet die Größe deutscher Bundesländer übersteigt. Weil die meisten Katholiken in Westsibirien aber arm sind, können sie die Seelsorge auf dieser Fläche nicht bezahlen, notiert der 43-jährige gebürtige Italiener, der seit 1991 Dienst östlich des Ural leistet. Viele Menschen auf dem Lande werden in Sibirien mit Naturalien bezahlt und selbst in der Millionenstadt Novosibirsk verdienen Arbeitnehmer in der Regel nur zwischen knapp 100 und 150 Euro pro Monat. Doch ihre Spendenbereitschaft ist ungebrochen. Nicht wenige Christen der Diözese sind durchaus bereit, ihre letzten Ersparnisse für ihre Kirche und damit „für Gott“ auszugeben, wie er eine alte Frau vom Lande zitiert.

Mit einem Budget von nicht einmal 350.000 € kann Ubaldo Orlandelli, Mitglied der Gemeinschaft des Hl. Karl Borromäus, arbeiten. Nicht nur bei den Ausgaben, die über diese Summe hinaus gehen, kann seine Diözese, die der deutschstämmige Jesuit Bischof Joseph Werth leitet, nur auf Hilfe aus dem Westen vertrauen. Vor allem Deutsche, Amerikaner und Italiener helfen den Gläubigen in Russland tatkräftig. Einrichtungen wie die Solidaritätsaktion Renovabis ermöglichen es, dass die Bistumsleitung in Novosibirsk Kirchbauten, aber auch Maßnahmen der Jugend- und Sozialarbeit realisieren kann. Auch personell kann das Bistum nicht auf die Mitarbeit von Polen, Deutschen, Amerikanern und Italienern verzichten.

Bewusst ist sich Pater Ubaldo Orlandelli, dass eine erfolgreiche Zukunft der katholischen Kirche in diesem Flächenstaat Russland eng mit einem tragfähigen, ja guten Verhältnis zur russisch-orthodoxen Kirche verbunden ist. Und er sieht nach der „Eiszeit“, die sich unmittelbar nach der Errichtung der vier katholischen Diözesen in Russland Anfang 2002 ergeben hatte, wieder neue Zeichen der Hoffnung. So nutze ein orthodoxer Starez, ein „geistlicher Vater“ der Gläubigen, den katholischen Katechismus für Exerzitien. Und in Novosibirsk arbeiten katholische und orthodoxe Kirche zugunsten behinderter Menschen zusammen. Diese Beispiele müssen Schule machen, hofft der Pater.