Der "Tatra-Tiger"
Donnerstag, 14. Dezember 2006
Die Slowakei liegt im Herzen Europas, und doch ist das Land weitgehend unbekannt - Neues Heft von "OST-WEST" klärt auf
FREISING. Mit der Slowakei ist es so eine Sache. Obwohl seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, wird das mitteleuropäische Land im Westen nicht recht wahrgenommen. Noch immer wirken die unsichtbaren Grenzen des „Eisernen Vorhangs“ nach, der auch den ferneren Teil der ehemaligen Tschechoslowakei fast fünfzig Jahre vom westlichen Europa abschottete. Im aktuellen Heft der Renovabis-Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) zum Länderschwerpunkt „Slowakei“ versuchen die Autoren, dem Leser die „Schweiz Zentraleuropas“ ein wenig näher zu bringen. Am Beginn steht ein historischer Überblick von Professor Stanislav Kirschbaum. Unter dem Titel „Überlebenskampf der Slowakei“ geht der Dozent an der York-University in Toronto den geographisch-ethnischen Wurzeln des Landes nach und skizziert die über tausendjährige Geschichte des slowakischen Volkes.
Zwei weitere Beiträge führen mitten hinein in die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Probleme, mit denen die Slowakei seit ihrer Unabhängigkeit 1993 zu kämpfen hat. Der Publizist Jaroslav Daniska beschreibt die parteipolitischen Strukturen, in denen sich die Zerrissenheit der Gesellschaft spiegelt. Der Beitrag des Deutschland-Korrespondenten der slowakischen Wirtschaftszeitung „TREND“, Peter Rival, lenkt den Blick auf den schwierigen ökonomischen Umbruch: Binnen weniger Jahre erreichte die slowakische Wirtschaftsentwicklung höchste Zuwachsraten in Europa. Die Bezeichnung „Tatra-Tiger“ wurde zum festen Begriff. Doch der wirtschaftliche Aufschwung ging zu Lasten einer enormen sozialen Schieflage, die breite Bevölkerungsschichten verarmen ließ.
Spannungsreiches Verhältnis zu Ungarn
Welche Rolle spielt dabei die katholische Kirche in einem Land, dessen Bevölkerung überwiegend katholisch ist und als sehr religiös gilt? Der slowakische Theologe Professor Pavel Mikluscák geht dieser Frage nach. Eine andere, unbekannte Welt wird im Beitrag von Bischof Ján Babjak vorgestellt. Der Jesuit leitet die griechisch-katholische Eparchie (Diözese) in Presov im Osten der Slowakei und stellt diese Glaubensgemeinschaft vor.
In markanten Strichen skizziert der tschechische Publizist Jaroslav Sonka das aktuelle Verhältnis der Slowaken zu den Tschechen und umgekehrt.
Entsprechendes gilt für den Beitrag des Historikers Professor Rudolf Grulich über die Slowakei und „ihre“ Deutschen.
Das spannungsreiche Verhältnis zu Ungarn klingt in den bereits vorgestellten Beiträgen wiederholt an und wird in der Reportage der Journalistin Karin Bachmann thematisiert. Sie befasst sich mit der politischen Lage der Slowakei nach den Parlamentswahlen im Juni 2006.
Eine Länderinformation mit statistischen Eckdaten von Renovabis-Projektreferent Martin Lenz sowie zwei aktuelle Dokumente runden das Heft ab.
Außerhalb des Schwerpunktthemas steht ein kurzer Beitrag der Privatdozentin Eva-Maria Stolberg über die Weichsel, einen der Hauptströme im östlichen Mitteleuropa.
Die Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) wird von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) herausgegeben. Sie kostet als Einzelexemplar 6,15 Euro (ab 01.01.2007: 6,50 Euro) und kann per E-Mail owep@renovabis.de angefordert werden. Ein Überblick über den Inhalt des aktuellen Hefts ist hier möglich. Dort lassen sich ausgewählte Artikel im Volltext lesen. Außerdem sind dort alle Ausgaben von „OST-WEST“ aufgeführt.
