„Kardinal Lehmann: Mit Sorgfalt und sensibel gegen Populismus “

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Bilanz des Versöhnungsfonds der Katholischen Kirche - Osteuropa-Hilfswerk Renovabis half mehr als 200 Projektpartnern "Wege zur

Mainz/Freising. Mit mehr als 2,7 Millionen Euro hat der „Versöhnungsfonds der Katholischen Kirche in Deutschland“ in den letzten Jahren über 200 Projekte gefördert, die sich mit dem Erbe des Nationalsozialismus sowie Versöhnung und Völkerverständigung auseinander gesetzt haben. Einen Schwerpunkt bildeten dabei Bildungs-, Begegnungs- und Austauschprogramme für junge Menschen. Mit einer Tagung unter dem Leitwort „Wege zur Versöhnung“ beschlossen am Donnerstag (12. Oktober) Deutsche Bischofskonferenz und Renovabis das auf fünf Jahre befristete Wirken des Versöhnungsfonds.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann bezeichnete in diesem Zusammenhang das gegenwärtige Verhältnis von Polen und Deutschland „wenigstens auf der hohen politischen Ebene als in einer etwas frostigen Periode“. Kritische Fragen müssten an beide Seiten gerichtet werden: Die deutsche Politik dürfte sich in den vergangenen Jahren nicht durchgängig der notwendigen Sensibilität im Umgang mit dem Nachbarn befleißigt haben. Es gebe gewiss gute Gründe für eine enge Partnerschaft mit Russland, doch wer diese pflege, der sollte die geschichtlich begründeten Sorgen Polens zum Spielball der größeren Mächte zu werden tunlichst nicht ignorieren. Bei der gegenwärtigen polnischen Regierung wiederum falle auf, dass sie sich, offenbar vorwiegend wegen innenpolitischer Gründe, „recht leichthändig traditioneller Klischees bedient, die weder Europa noch dem heutigen Deutschland gerecht werden“, bemerkte Lehmann. Er betonte, dass solches Spiel mit Ressentiments „am Ende alle ärmer macht“. Dem schloss sich der ehemalige polnische Außenminister und Brückenbauer zu Deutschland, Professor Wladyslaw Bartoszewski, ausdrücklich an. Er erinnerte daran, dass Versöhnung auch die Fähigkeit sei, aus der Geschichte zu lernen. Deshalb warb der 85 Jahre alte Politikprofessor leidenschaftlich darum, „ganz simpel andere Menschen zu achten und fremde Meinungen zu tolerieren“.

Gerade vor dem Hintergrund solcher politischer Probleme sei es umso wichtiger, „dass die Gesellschaften in Polen und Deutschland auf einem Weg wachsender Verständigung bleiben“, sagte Kardinal Lehmann. Es gebe viele Beispiele eines guten und unaufgeregten Miteinanders der Menschen. Und dies spiegelten auch die Projekte des Versöhnungsfonds. Die Träger und Initiativen, die sich hier besonders engagiert hätten, seien wie Gerhard Albert, der Geschäftsführer des Fonds und gleichzeitig von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, betonte zuverlässige und nachhaltige Projektpartner. Damit sei sichergestellt, dass die Anliegen des Versöhnungsfonds weiterhin angemessen verfolgt würden.