„Wir müssen Kompetenzen vermitteln“
Samstag, 02. September 2006
Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Demuth spricht von entscheidender Rolle der Kirchen für das Gelingen von Familie
FREISING. Auf die wichtige Rolle der Kirchen bei der Vermittlung von Kompetenzen für das Gelingen eines Lebens in Ehe und Familie hat Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth hingewiesen. Nötig sei ein gesellschaftlicher Klimawandel bezüglich Familien und Kindern. Der Handlungsspielraum der Politik sei aber begrenzt. Die Kirche betrachte die Familie als „eine dem Staat vorgeordnete Gemeinschaft“. Es komme heute besonders auf das Zeugnis eines gelingenden familiären Zusammenlebens an. Entsprechend müssten die Kirchen den Menschen Werte und Orientierung geben.
Gleichzeitig räumte Demuth aber ein, dass es „noch viel Sprachlosigkeit und einen Mangel an Antworten“ beim kirchlichen Umgang mit dem Scheitern von Beziehungen gäbe. Mit Blick auf die Zahlen von Ehescheidung und Wiederheirat sprach der Redemptoristenpater von einem „der drängendsten Probleme“, wenn die Kirche nicht den Kontakt zu diesen Menschen verlieren wolle, die der pastoralen Sorge besonders bedürften. Demuth äußerte sich zum Abschluss des zehnten Internationalen Kongresses Renovabis in Freising. Drei Tage lang hatten sich über 300 Teilnehmer aus 24 europäischen Ländern auf dem Domberg der altbayerischen Bischofsstadt mit dem Thema „Lebensform Familie – Zukunftsfrage für Europa“ auseinandergesetzt.
Komplexe und widersprüchliche Situation von Familien
Dabei waren sich die Frauen und Männer aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in der Diagnose einig, dass sich die traditionelle Familie in Europa in einer Krise, wenn nicht sogar im Umbruch befindet. Einmal mehr wurde im Verlauf der Jubiläumstagung deutlich, wie komplex und widersprüchlich die Situation von Familien ist: Zwar genießt die Familie überall eine hohe soziale und emotionale Wertschätzung. Doch scheitert der Wunsch nach einem Leben in der Familie zunehmend am vorherrschenden gesellschaftlichen System. Bei der Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung und wie mit diesen Trends und Phänomenen umzugehen sei, gab es unter den Kongress-Teilnehmern unterschiedliche Meinungen.
Pater Demuth betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich den besonderen Auftrag von Renovabis, die Menschen in Mittel- und Osteuropa nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme bei der Erneuerung der Gesellschaft in Gerechtigkeit und Freiheit zu unterstützen. Dabei spiele die Förderung von Familien eine zentrale Rolle, so Demuth. Renovabis verfolge einen ganzheitlichen Ansatz, der den pastoralen und gesellschaftlichen Dienst der Kirche umfasse.
Zu Ihrer Information: Der nächste Internationale Kongress Renovabis findet vom 20. bis 22. September 2007 in Freising statt. Die Tagung wird sich dann mit dem Thema „Christen und ihre Rolle in Staat und Gesellschaft“ beschäftigen.
