"Leid der Menschen dauert an"

Mittwoch, 26. April 2006

Renovabis: Hilfe für Tschernobyl-Opfer weiter nötig

FREISING. Auf die Notwendigkeit weiterer intensiver Hilfe für die Opfer der schweren Atomreaktor-Explosion im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl am 26. April vor 20 Jahren hat Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth hingewiesen. Als Spätfolge der Katastrophe litten viele Menschen in den betroffenen Regionen nach wie vor erheblich unter schweren gesundheitlichen Problemen und kämpften vielerorts ums nackte Überleben, unterstrich der Ordensmann am Vortag des Jahrestags des Reaktorunglücks am Sitz des katholischen Hilfswerks auf dem Domberg in Freising.

Demuth nannte als Beispiel den sprunghaften Anstieg von Leukämie- und Krebserkrankungen aufgrund der erhöhten radioaktiven Konzentrationen seit 1986 gerade unter Kindern und Jugendlichen sowie unter den hunderttausenden Aufräumarbeitern. Er erinnerte an den Heimatverlust vieler Menschen im Zuge von Umsiedlungsaktionen sowie die damit verbundenen psychischen Folgen. In diesem Zusammenhang lenkte Demuth den Blick auch auf die existentielle Not der Betroffenen. „Die Armut ist neben vielen anderen eins der größten Probleme“, betonte der Geistliche. Renovabis sehe deshalb eine wesentliche Aufgabe darin, den tief traumatisierten Überlebenden des Reaktor-Unglücks neuen Lebensmut zu geben, so Demuth: „Die Betroffenen sollen spüren, dass sie in ihrer Not nicht allein gelassen sind – dass es für sie noch einen anderen Ausweg gibt, als zur Flasche zu greifen oder im schlimmsten Fall ihrem Leben ein Ende zu setzen.“

Seit seinem Bestehen unterstützt Renovabis finanziell Maßnahmen für die tschernobyl-geschädigte Bevölkerung über seine Partner in der Ukraine und in Weißrussland. Erst kürzlich bewilligte der Aktionsausschuss weitere 400.000 Euro für Erholungsaufenthalte von Kindern in sechs Zentren in der Ukraine. Insgesamt stellte Renovabis für Projekte dieser Art in den letzten zehn Jahren knapp 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Renovabis ist die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Das katholische Hilfswerk wurde im März 1993 von der Deutschen Bischofskonferenz auf Anregung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gegründet und hat seinen Sitz im bayerischen Freising. Renovabis unterstützt seine Partner bei der pastoralen, sozialen und gesellschaftlichen Erneuerung in den früheren kommunistischen Ländern des Ostens. In den letzten 13 Jahren half Renovabis in 27 Staaten Mittel-, Ost- und Südosteuropas bei der Verwirklichung von rund 13.000 Projekten mit einem Gesamtvolumen von fast 370 Millionen Euro.