Polen und Deutschland – Nachbarn in Europa

Donnerstag, 08. Dezember 2005

Renovabis-Zeitschrift „Ost-West. Europäische Perspektiven“ greift Fragen der deutsch-polnischen Beziehungen auf

Freising, 8. Dezember 2005. Um Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Verhältnisses zwischen Polen und Deutschen geht es in Heft 4/2005 der Zeitschrift „Ost-West. Europäische Perspektiven“ (OWEP). Damit soll im laufenden deutsch-polnischen Jahr 2005/2006 ein besonderer Akzent gesetzt werden; das Heft wird im kommenden Frühjahr auch in polnischer Übersetzung erscheinen.

Einen deutlichen Schwerpunkt legt die aktuelle OWEP-Ausgabe auf die Rolle und Bedeutung der Kirchen für das deutsch-polnische Verhältnis. Insbesondere wird der historische „Versöhnungs“-Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe im November/Dezember 1965, der in der politischen Öffentlichkeit für einige Überraschung sorgte, näher beleuchtet (Karl-Joseph Hummel, Wolfgang Grycz). Zum 40. Jahrestag dieses Briefwechsels würdigten erst kürzlich die Bischöfe beider Länder diese „mutige“ Tat als „einen entscheidenden Schritt zum Neuanfang in den gegenseitigen Beziehungen unserer Völker“.

Für das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen kommt aber auch dem Pontifikat Johannes Paul II. eine Schlüsselbedeutung zu, wie überhaupt die Überwindung der Teilung Europas und der Zusammenbruch des Kommunismus „ohne die Präsenz dieses Papstes“, so bemerkte Michail Gorbatschow einmal, kaum möglich gewesen wäre. Das vorliegende OWEP-Heft widmet dem verstorbenen Papst daher drei Beiträge, in denen es um den theologischen Stellenwert (Tomasz Wecławski), die philosophische Grundlegung (Klaus Müller) und die politische Dimension (Janusz Poniewierski) seines Werkes geht.

Gesine Schwan, Koordinatorin der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen und Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, betont, wie wichtig die Verständigung zwischen Deutschen und Polen nicht nur für diese selber, sondern auch in einem „größeren europäischen, ja weltpolitischen Kontext“ sei. So wie die deutsch-französische Freundschaft eine „kardinale Rolle“ in der jüngeren europäischen Geschichte gespielt habe, so erscheine es „jetzt von vordringlicher Bedeutung, diese erfolgreiche Zweierbeziehung um Polen zu bereichern“, damit auf diese Weise „ein kulturell tragfähiger und haltbarer Brückenpfeiler zwischen West- und Osteuropa ausgebaut werden kann“.

Schließlich enthält OWEP 4/2005 Beiträge von vier jungen Akademikern, zwei Polen und zwei Deutschen, die offen und ungeschminkt ihre persönlichen Erfahrungen vom Leben im „anderen Land“ beschreiben. Abgerundet wird das Heft durch ein Porträt des Bischofs von Oppeln Alfons Nossol, eines Pioniers der deutsch-polnischen Verständigung, sowie durch aktuelle Informationen über Land und Leute in einem „Länderinfo Polen“.

Ost-West. Europäische Perspektiven 4/2005, Matthias-Grünewald-Verlag, 80 Seiten, Bezugspreis 6,15 Euro pro Heft (Jahresabonnement 18,40 Euro). Zwei Artikel im Volltext sind auf der Homepage der Zeitschrift: www.owep.de zu finden.