Welt-Aids-Tag am 1. Dezember 2005 Renovabis: Dramatische Aidsrate in Osteuropa

Mittwoch, 30. November 2005

Freising, den 30. November 2005. „Vor unserer Haustüre, im Osten Europas, hat die Bedrohung durch HIV/AIDS dramatische Ausmaße angenommen“, macht Burkhard Haneke, Geschäftsführer beim Osteuropa-Hilfswerk Renovabis, aus Anlass des Welt-Aids-Tages auf die nicht zu unterschätzenden Sorgen in unseren Nachbarländern aufmerksam. Bei einer Gesamtbevölkerung von 415 Millionen Menschen müssten dort heute bereits mehr als zwei Millionen mit dem Virus leben. Bis 2010 könnten es vier Mal so viele sein. Rund 60.000 Menschen seien in dieser Region im vergangenen Jahr an der Immunschwächekrankheit gestorben. „Besonders hart betroffen sind unsere Nachbarn in Russland, der Ukraine, in Weißrussland und Moldawien“, so Haneke.

Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut (MI) in Würzburg, mit dem Renovabis seit einiger Zeit kooperiert, berichtete, die ersten Fälle von HIV/AIDS seien in Osteuropa bereits Mitte der 80er Jahre registriert worden. Heute zeigten südöstlich gelegene Länder wie Kasachstan Zeichen einer ähnlichen Entwicklung. Bezogen auf eine Bevölkerung von 1.000.000 Einwohner steckten sich heute pro Jahr in Estland 1.400, in Russland 1.200 und in der Ukraine 1.000 Menschen neu an. Zum Vergleich: Der Durchschnitt in Europa liegt bei 35 bis 40. Diese Steigerungsraten sind nach Aussagen des MI heute höher als die in einigen afrikanischen Ländern. In der russischen Föderation wird die Zahl der Menschen mit HIV mit 700.000 von den Behörden und mit 1.400.000 von Experten und Betroffenenverbänden angegeben. Osteuropa stehe am Scheideweg; wenn sich die Trends so fortsetzen wie bisher, könnten 2020 allein in Russland 15 Millionen Menschen mit HIV leben.

Hauptübertragungswege für die Verbreitung von HIV/AIDS müssten vor allem im Spritzenaustausch beim Drogenkonsum gesehen werden. Dabei dürfe nicht verkannt werden, dass die sozialen Umstände die Nutzung von Drogen und deren weitere Ausbreitung fördern. Der Staat vernachlässige soziale Randgruppen und es existiere keine Drogenprävention, die diesen Namen verdient, ergänzt Markus Leimbach, der Leiter der Projektabteilung von Renovabis. In Zentral- und Osteuropa fände man die größte Anzahl von HIV-Neuinfektionen bei jungen Leuten; 68 Prozent treten bei den 15- bis 19-Jährigen auf.

Leimbach betont, dass angesichts der raschen Ausbreitung der Immunschwäche-Krankheit in Europas Osten jetzt Handeln gefragt sei. „Dabei kommt es auf den behutsamen Dialog mit den Renovabis-Partnern in Mittel-, Ost- und Südosteuropa an.“ Zusammen mit dem MI und dem Deutschen Caritasverband und aufbauend auf den Erfahrungen der Eine-Welt-Hilfswerke in Deutschland und der von Caritas International geleiteten Aids Founding Network Group (AFNG) unterstützt Renovabis gemeinsam mit den Partnern in Mittel- und Osteuropa Betroffene, also Infizierte und deren Angehörige.

„Neben Projekten im Pflegebereich muss - so die bisherigen Erfahrungen - Einiges für die Bewusstseinsbildung in Mittel- und Osteuropa getan werden“, sagt Leimbach. Örtliche Partner setzten die Projektarbeit in die Tat um. Bislang konnte diese Arbeit mit mehr als 350.000 Euro durch Renovabis unterstützt werden.