Erzbischof Schick: "Im Osten Europas vor allem abseits großer Städte noch bedrückende Not"
Donnerstag, 20. Oktober 2005
Renovabis fördert 691 neue Projekte mit mehr als 15 Millionen Euro
Köln / Freising, den 20. Oktober 2005. - Zu insgesamt fast 700 pastoralen, sozialen und Bildungs-Projekten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa hat der Trägerkreis des Hilfswerks Renovabis jetzt seine Zustimmung gegeben. Mehr als 15 Millionen Euro stellte das Gremium der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa dafür bei seiner Sitzung am Mittwoch in Köln, die in Vertretung des Vorsitzenden Joachim Kardinal Meisner vom Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Stefan Vesper, geleitet wurde, bereit. Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick betonte bei diesem Anlass als Mitglied des Trägerkreises, „dass die Not im Osten - vor allem abseits der großen Städte - noch bedrückend ist.“ Das habe er erst kürzlich bei einer Reise durch das Bamberger Partnerbistum Szczecin-Kamien (Stettin-Kamin) in Polen erfahren.
Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth C.Ss.R. hob hervor, dass die neuen 691 Projekte abermals von einer großen Breite der Unterstützungs-Notwendigkeiten, aber genauso von einer nur zusammen mit engagierten Partnern zu entwickelnden Projektperspektive zeugten. Neben den Bau-, Umbau- und Renovierungsmaßnahmen von Gemeinde- und Jugendzentren steht in der Renovabis-Projektförderung die Bildung ganz weit vorn. In den vielfach von zermürbender Arbeitslosigkeit geprägten Gesellschaften Mittel-, Ost- und Südosteuropas sind Aus- und Weiterbildungsprogramme im schulischen wie im beruflichen Bereich mehr als eine Jobperspektive; sie bedeuteten schlicht neuen Mut und neue Hoffnung, so Pater Demuth. In diesem Sinne werden auch seelsorgliche Anliegen in zahlreichen Ländern gefördert: Durch Existenzhilfen für Priester und die Unterstützung von Ordensgemeinschaften bleibe die Gemeindepastoral möglich.
Von der Gesamtanzahl der jetzt bewilligten Projekte seien einige hervorgehoben: Zehn Jahre nach dem Vertrag von Dayton lastet in Bosnien-Herzegowina der Krieg noch immer schwer auf den Menschen; Strukturen einer bürgerschaftlichen Gesellschaft sind bis heute labil. Das trifft besonders Familien, die es schwer haben, angesichts von Vertreibung, Kriegstraumata und vielen anderen alltäglichen Problemen zu bestehen. Deswegen unterstützt ein ganzheitliches Programm der Bosnisch-Herzegowinischen Bischofskonferenz Familien etwa mit psychologischer Lebensberatung, oder auch Erziehungs- und Eheberatung. Renovabis unterstützt das Programm mit zunächst 200.000 Euro. Im Kosovo hat der Jesuitenflüchtlingsdienst Hilfe für Landminenopfer, insbesondere für Kinder, begonnen. Renovabis konnte dies mit weiteren 200.000 Euro ermöglichen.
Mit mehr als 90.000 Euro unterstützt die Hilfsaktion in der Ostslowakei ein Seelsorgezentrum für Roma. Im Osten der Slowakischen Republik leben bis zu 450.000 Roma - eine Minderheit zwar, aber mit zehn Prozent Bevölkerungsanteil eine beträchtliche. Rund die Hälfte der Roma sind minderjährig. Sie sind fast alle von Sozialhilfe abhängig und leben in Gettos. Das Pastoral- und Sozialzentrum schafft für diese ausgegrenzten armen Menschen etwas Heimat.
