Wege zu einer Welt mit weniger Gewalt

Donnerstag, 22. September 2005

Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ beleuchtet internationale Konflikte und Konfliktregelungen

Täglich führen die Medien sie uns vor Augen: Konflikte zwischen sozialen Gruppen, innerhalb von Gesellschaften, zwischen Staaten. So wird der Eindruck vermittelt, dass sie zunehmen, ausufern, immer weniger beherrschbar sind. Die Kriege und Terrorakte der letzten Jahre verfestigen das Bild von Hilflosigkeit.

Das aktuelle Heft der Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“, die von der Solidaritätsaktion Renovabis und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken herausgegeben wird, widmet sich dem Thema „Konflikte und Konfliktregelungen“. Untersucht werden Ursachen und Erscheinungsformen von Konflikten, aber auch Möglichkeiten ihrer Bewältigung, Beispiele von ziviler Krisenverhütung und Konfliktbearbeitung. Es wird deutlich gemacht, wie Gegensätze zwischen Gruppen und Gesellschaften langsam wachsen, zu Feindseligkeit führen und schließlich in blutigen Zusammenstößen eskalieren. In den letzten fünfzehn Jahren hat Europa das hautnah erleben müssen.

Die Autoren, wie etwa Prof. Dr. Thomas Hoppe (Universität der Bundeswehr Hamburg) oder Dr. Wilhelm Höynck (von 1993 - 96 erster Generalsekretär des OSZE), zeigen auf, dass es für Konflikte „keine einfachen und keine schnellen Lösungen gibt“. Die Situation am Balkan beweise, dass notfalls auch der Einsatz militärischer Gewalt erforderlich werden könne. Danach beginne der schwierigere Teil: das zivile Konfliktmanagement. EU, OSZE und NATO hätten einige Herde wenn nicht löschen, so doch eindämmen können. Vieles bleibe aber ungelöst. Nicht übersehen werden dürfe, dass Konfliktbewältigung häufig „nicht ‚reine‘ Friedenspolitik, sondern auch handfeste Interessenpolitik“ sei.

Inwieweit auch Religion ein Konfliktpotenzial sein kann, wird am Beispiel des früheren Jugoslawiens verdeutlicht. Überhaupt wird die grundsätzliche Frage gestellt, wie sich „Kirche im Konflikt“ verhält, ob sie „Teil des Problems oder Teil der Lösung“ ist (so Jörg Lüer von der Deutschen Kommission Justitia et Pax).

Weitere Fallbeispiele zeigen, wie mit alten und neuen Konflikten in Europa umgegangen wird. Da ist das Verhältnis der Polen und Ukrainer – eine oft blutige Geschichte, die im westlichen Europa kaum zur Kenntnis genommen wird und dennoch schwer auf den Völkern lastet. „Wem gehört das Kosovo?“ – eine offene Frage. Der Transnistrienkonflikt schwelt immer noch, trotz der Vermittlungsversuche z. B. der OSZE. Der Streit um den national-katholischen Sender „Radio Maryja“ in Polen verweist schließlich darauf, wie Probleme innerhalb einer großen Ortskirche aufbrechen und perpetuiert werden, wenn es am entschiedenen Willen fehlt, Feindseligkeit und Hass aus dem kirchlichen Raum zu verbannen.

Ost-West. Europäische Perspektiven 3/2005 , Matthias-Grünewald-Verlag, 80 Seiten, Bezugspreis 6,15 Euro pro Heft (Jahresabonnement 18,40 Euro). Zwei Artikel im Volltext sind auf der Homepage der Zeitschrift: www.owep.de zu finden.