Eigenverantwortung, Subsidiarität und Armutsprävention
Samstag, 03. September 2005
Renovabis-Kongress über neuen Reichtum und neue Armut im Osten Europas erinnert an wichtige Prinzipien der katholischen Sozialle
Durch die sozialen Umbrüche in Mittel- und Osteuropa habe die Gerechtigkeitsfrage erheblich an Aktualität und Brisanz gewonnen. Die Frage des 21. Jahrhunderts, gerade auch für Osteuropa, werde sein, ob es gelingt, „einen sozialen Kapitalismus, eine soziale Marktwirtschaft für unsere Zeit zu entwickeln bzw. zu erhalten“. Das betonte der Trierer Bischof Dr. Reinhard Marx beim 9. Internationalen Renovabis-Kongress, zu dem vom 1. bis 3. September 350 Teilnehmer aus 23 Ländern, davon etwa die Hälfte aus Osteuropa, nach Freising gekommen waren. Bischof Marx brachte als bleibenden Auftrag der Kirche in Erinnerung, sich effektiv für soziale Gerechtigkeit einzusetzen und sich dabei an den Prinzipien der Solidarität, Subsidiarität und Nachhaltigkeit zu orientieren.
Der polnische Sozialwissenschaftler Professor Julian Auleytner sieht in der Verwirklichung des Subsidiaritätsprinzips eine entscheidende Voraussetzung zur Überwindung von Armut, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und von sozialer Sicherheit. Bis zur Wende 1989/90 in Osteuropa habe „der patriarchalische Staat den Anspruch erhoben, alle sozialen Probleme der Bürger zu lösen“. Selbstverantwortung und Unternehmungsgeist hätten nicht entstehen können, weil die Menschen „eher als Gegenstand und nicht als aktive Subjekte“ behandelt worden seien.
Auch Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, unterstrich, dass langfristige Stabilität und zugleich konstruktive Dynamik in den Staaten Mittel- und Osteuropas nur erreicht werden, wenn der Einzelne zu einem selbstverantwortlichen Leben befähigt, zugleich aber für die Ärmsten der Armen soziale Netze geschaffen würden. Zivilgesellschaftliche und kirchliche Akteure leisteten dazu vor Ort bereits wichtige Beiträge, wobei stets „das langfristige Wohl und die Befähigung der Menschen, insbesondere der Benachteiligten“ das Leitmotiv bilde.
Pater Dietger Demuth, Hauptgeschäftsführer von Renovabis, verwies zum Abschluss des Kongresses auf die großen sozialen Unterschiede innerhalb Europas. Die Prozesse der Transformation in Mittel- und Osteuropa seien noch längst nicht abgeschlossen. In vielen Ländern und Regionen zeigten sich die Schattenseiten der sozialen Umbrüche. Dabei sei insbesondere die Arbeits- und Perspektivlosigkeit junger Menschen eines der Hauptprobleme. Nicht alles könne aber durch Politik und Gesetze geleistet werden. Gerade die Kirche habe die Aufgabe, „Helferin der Armen, der Menschen auf der Schattenseite zu sein“.
Lobende Worte über den Kongress und die Arbeit von Renovabis fand schließlich Ministerpräsident a.D. Dr. Bernhard Vogel. Der Kongress habe Mut gemacht, weiter an der Vision eines zusammenwachsenden größeren Europas zu arbeiten. Die Solidaritätsaktion leiste dazu einen wichtigen Beitrag. Dass die deutschen Katholiken Renovabis geschaffen hätten, sei ein großartiges Beispiel dafür, dass die neuen sozialen Herausforderungen im Osten Europas auch kirchlicherseits angenommen worden seien.
