Aufsuchende Seelsorge als „Rezept“

Freitag, 17. Juni 2005

Bischof Radkovský arbeitet in der Diözese Pilsen am Neuaufbruch des Glaubens

FREISING/PLZEŃ (lu). Einer großen Herausforderung sieht sich die junge tschechische Diözese Pilsen/Plzeń rund 15 Jahre nach der Wende gegenüber. Die westlichste Diözese der Republik verzeichnet eine massive Erosion der Gläubigen. Gerade mal 10.500 Katholiken besuchen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst, das sind angesichts der rund 142.000 Katholiken unter den rund 800.000 Einwohnern auf den rund 9236 km2 nicht einmal mehr zehn Prozent. Für Bischof František Radkovský, der die Renovabis-Geschäftsstelle in Freising besucht hat, ist das aber kein Grund aufzugeben. Vielmehr versucht der promovierte Statistiker und Theologe mit Energie, diesen negativen Trend, der nicht nur seine Diözese erfasst hat, zu stoppen und umzukehren.

Auf Erfolge einer „aufsuchenden Pastoral“, also einer Seelsorge, in der die Geistlichen die Menschen zu Hause besuchen und nicht warten, bis diese den Weg zum Gotteshaus finden, setzt der Bischof. Neue Formen der religiösen Praxis und des Brauchtums seien im westlichen Tschechien aufgelebt, etwa die Sternsingeraktion, die eine Erfolgsgeschichte aufweise. František Radkovský setzt auf den „Sauerteig“, den Pfarrgemeinderäte, Bibelkreise und Gebetsgruppen bilden können. Freilich weiß der für die Laienarbeit in der Bischofskonferenz zuständige Bischof, dass noch längst nicht in allen seiner knapp 100 Pfarreien Pfarrgemeinderäte existieren. Doch gibt er sich zuversichtlich. Positiv erweist sich die Zahl der Erwachsenentaufen – noch auf niedrigem Niveau.

Die Solidaritätsaktion Renovabis unterstützt die Diözese Pilsen dabei, mit Hilfe von Zentren für Laien-, Familien-, Frauen- und Jugendarbeit neue Anregungen für die pastorale Arbeit zu geben. Impulse erwartet der 66jährige Oberhirte von den Beschlüssen der Tschechischen Generalsynode, die 2003 eröffnet wurde und Mitte Juli in Velehrad zu Ende geht.

Dass das Gebiet zwischen Eger und Pilsen besonders von der Säkularisierung erfasst wird, ist für Bischof Radkovský nicht unverständlich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sei die weithin katholische deutschstämmige Bevölkerung aus den Gebieten vertrieben worden, andere Menschen seien aus dem Osten dorthin gezogen. In diesem Prozess sei ein Stück weit das gewachsene Miteinander der Katholiken vor Ort verloren gegangen. So konnte die atheistische Ideologie des Kommunismus rasch Fuß fassen und Früchte ernten. Nach der Wende habe die „Sucht nach Wohlstand und Konsumismus“ auf ihre Weise die Suche nach dem Sinn untergraben.

Aber bereits zur Zeit der Industrialisierung hat die katholische Kirche es versäumt, eine Brücke zu den katholischen Arbeitern im Gebiet um Plzeń aufrecht zu erhalten, so der Oberhirte. Während in Deutschland Katholische Arbeitervereine und Kolpingfamilien viele Arbeitnehmer an die Kirche gebunden hätten, habe es solche Vereine auf dem Gebiet der heutigen Diözese Pilsen nicht gegeben.