„Papst aus Polen als Wegbereiter der Solidarität zwischen Westen und Osten“
Samstag, 02. April 2005
Osteuropa-Hilfswerk Renovabis über Tod von Papst Johannes Paul II. tief betroffen
FREISING (lu). Mit dem Tod von Papst Johannes Paul II. verliert Renovabis einen wichtigen Wegbereiter der Solidarität zwischen Westen und Osten. Die Welt ist um einen „Türöffner der Freiheit“, einen Verfechter der in Gott begründeten Rechte des Menschen und der sozialen Gerechtigkeit ärmer geworden, so Pater Dietger Demuth CSsR, Hauptgeschäftsführer der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa.
Papst Johannes Paul II. hatte bei einem Ad-limina-Besuch deutscher Bischöfe Ende 1992 ausdrücklich deren Pläne zur Gründung von Renovabis begrüßt. 1993 war die Solidaritätsaktion dann von der Deutschen Bischofskonferenz errichtet worden und wusste sich in dem Engagement für die Menschen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa mit dem Papst sehr eng verbunden.
Unmittelbar nach der Wahl 1978 zum Papst hat Johannes Paul II. den Kurs der Ostpolitik des Vatikans verschärft und den Ruf nach Freiheit unterstützt, erinnert Renovabis an den Beitrag des Papstes zum Zustandekommen der Wende. Der Papst habe klar gemacht, dass in der „authentischen Geschichte“ der Völker kein Raum für eine „ideologische Zwangsbekehrung im Sinne Lenins“ sei – eine Kampfansage gegen den sozialistischen Allmachtsanspruch. Für die Menschen aber, die sich nach Freiheit sehnten, galt er als Verfechter ihrer Anliegen, so Pater Demuth.
Der in Fremdsprachen gewandte Geistliche ist für Renovabis das Vorbild eines „Europäers der Zukunft“, der die Spaltung zwischen West und Ost in den Köpfen und im Alltag überwinden wollte. Für ihn sollte Europa mit „beiden Lungenflügeln atmen“. Als politisch-gesellschaftliche Vision diente ihm ein Europa, in dem das Christentum als eine zentrale geistige Säule für eine gemeinsame friedliche Entwicklung der Menschen fungiert und Christen sich politisch engagieren. Er forderte die Erwähnung Gottes in der Präambel der künftigen Verfassung der EU. „Selbstsüchtige Nationalismen“ und „sinnentleerter Konsumismus“ standen seinem Modell von Europa im Wege.
Damit das Christentum seine sinnstiftende Aufgabe in der Welt wahrnehmen kann, hat der Papst zur Evangelisierung aufgerufen und mit seinen zahlreichen Pastoralreisen dazu Impulse gesetzt.
Papst Johannes Paul II. hat die katholische Soziallehre nach der Wende kraftvoll weiter entwickelt und damit den Menschen in den Staaten Mittel- und Osteuropas ein tragfähiges Gedankengebäude für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Neuordnung an die Hand gegeben. Die „positive Bedeutung des Marktes“ schätzte er, doch müsse dieser „auf das Gemeinwohl ausgerichtet sein“.
Der geschwisterliche Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche lag Papst Johannes Paul II. am Herzen, betont Pater Demuth. Sichtbaren Ausdruck fand dieses Ziel in der Rückgabe der Ikone der „Gottesmutter von Kasan“ 2004 durch den Vatikan an Patriarch Alexji II. Mit dem symbolischen Akt wurden Differenzen abgemildert, die sich nach der Errichtung von katholischen Diözesen in Russland verstärkt hatten. Für Renovabis gilt der Heilige Vater als Verfechter von mehr Ökumene zwischen den christlichen Konfessionen und des Dialogs zwischen den Weltreligionen.
Das Foto zeigt Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth bei einer Privataudienz bei Papst Johannes Paul II.
