Damit Frauen nicht mehr als „Ware“ gehandelt werden

Dienstag, 08. März 2005

Fachtagung in Nürnberg zu Formen „moderner Sklaverei“

NÜRNBERG (lu). Das Elend in den Staaten Mittel- und Osteuropas muss mittelfristig beseitigt und die Informationen über Frauenhandel und Zwangsprostitutionen müssen in den Herkunftsländern der Opfer breiter gestreut werden. Nur dadurch lässt sich das Geschäft krimineller Menschenhändler, von dem vor allem Frauen aus Mittel- und Osteuropa betroffen sind, beenden. Dies wurde bei einer Tagung in Nürnberg zum Thema „Moderner Sklavenhandel – mitten unter uns“ heute deutlich, zu der das Aktionsbündnis gegen Frauenhandel, das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis, das Caritas-Pirckheimer-Haus und die Hanns-Seidel-Stiftung gemeinsam eingeladen hatten.

Vorwiegend junge Frauen, aber auch Männer aus den Staaten Mittel- und Osteuropas werden von kriminellen Organisationen unter falschen Versprechungen in den „reichen Westen“ gelockt. Hier müssten sie formell als „Au-pair-Mädchen“, tatsächlich aber als „Sklavinnen“ oder „Sklaven“ in Haushalt, Gastronomie oder im Baugewerbe zu Billiglöhnen und unmenschlichen Bedingungen arbeiten.

Karin Glöckner von der Katholischen Mädchensozialarbeit IN VIA wie auch Lydia Halbhuber-Gaßner machten deutlich, dass rechtliche Schutzmaßnahmen z.B. für Au-pair-Mädchen seit der Einführung des Beschäftigungsförderungsgesetzes 1994 abgebaut wurden. Heute, so Lydia Halbhuber-Gaßner würden Au-pair-Mädchen als „neue Dienstmädchen der Globalisierung“ bezeichnet. Erst der Selbstmord einer jungen Rumänin, die in einem Haushalt in Mittelfranken „arbeitete“, hat das Bewusstsein der Öffentlichkeit wachgerüttelt. Staatsanwalt Dr. Michael Tiedemann, der den Fall vor dem Gericht in Ansbach vertreten hatte, betonte, dass die Bezeichnung „Au-pair – auf Gegenseitigkeit“ in vielen Fällen, wie auch im besagten Fall in Herieden völlig irreführend gebraucht werde.

Eine zweite grausame Tatsache wurde in Nürnberg diskutiert. Rund 120.000 Frauen aus Mittel- und Osteuropa werden – nach Schätzungen – nach Westeuropa geschafft und hier zwangsprostituiert. Allein 10.000 stammen davon nach Angaben von Prof. Irina Gruschewaja aus Minsk aus Weißrussland. Die Schleußerbanden haben nach ihrer Erfahrung nur deshalb Erfolg, weil die Politiker in ihrem Land den Frauen keine wirtschaftliche Perspektive zu eröffnen in der Lage sind.

Strafrechtlich muss der Frauenhandel noch stärker als bisher bekämpft werden. So verspricht sich der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Landtagsabgeordneter Herbert Ettengruber, von einer Bundesratsinitiative des Freistaats, nach der künftig auch strafrechtlich gegen Freier vorgegangen werden können soll, mehr Erfolg im Kampf gegen Frauenhandel.