Hoffnungsschimmer für ein „schweres Leben“?
Dienstag, 01. März 2005
Zeitschrift "OST-WEST" zu Jugend in Mittel- und Osteuropa
FREISING/MAINZ (lu). Gehören die Jugendlichen in Mittel- und Osteuropa zu den Verlierern oder zu den Gewinnern der Transformation in den ehemaligen sozialistischen Staaten? Welche Perspektiven machen sie für sich selbst aus, welche Ängste bewegen sie und welche Träume geben ihnen neue Kraft? Diese und andere Fragen werden in 17 Beiträgen von jungen Frauen und Männern von Tschechien bis Georgien, von Polen bis Albanien, von Estland über Russland bis Bulgarien im Heft 1/2005 der Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ behandelt. Jedoch nicht statistisch mit Hilfe empirischer Daten zu Trends, sondern anhand von Statements junger Menschen, die entweder noch die Schulbank drücken, ein Studium aufgenommen oder erste Schritte im Berufsleben zurückgelegt haben, wird die Lage der jungen Leute erfasst und damit ausgesprochen leserfreundlich serviert.
Die Zeitschrift „OST-WEST“ wird von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gemeinsam herausgegeben.
An den erforderlichen „Grundlagen zur Entfaltung“ der Energie der Jugendlichen für den Aufbau von Gesellschaft und Staat fehlt es nach Einschätzung der Englischlehrerin Vanya Gadelova in ihrer Heimat Bulgarien. Auch in Albanien hat sich eine ähnliche resignative Stimmung ausgebreitet, wie sie Gjergj Guri und Sonia Resuli in ihrem Aufsatz über die „Zukunft des Adlerlandes“ bestätigen. Die Grundaussage basiert auf dem Fehlen von Arbeitsplätzen. Auf diesen Mangel weist auch der ungarische Jurist Dr. András Prekovits hin. Für ihn hat die Wende in den ersten Jahren nur wenige Gewinner, aber viele Verlierer in Ungarn hervorgebracht. Aber er vermittelt Hoffnung: Die Jugendlichen in seinem Land können aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung bereits in zehn Jahren eine lohnende Ernte einfahren, wenn sie nur bereit seien, zielstrebig eine qualifizierte Ausbildung zu durchlaufen und eine Phase geringerer Einkünfte zu akzeptieren. Mangelnde Beschäftigungsaussichten macht auch Branka Janković für Bosnien-Herzegowina aus, aber ihre ganz persönliche Hoffnung lässt sie sich nicht nehmen: „Ich … werde studieren und … glücklich“ sein.
Eine besondere Rolle der christlichen Kirchen bei der Neuordnung der Gesellschaft ihres Landes notieren zum Beispiel die in Rumänien arbeitende Dalma Csirak Covaci, die Tschechin Marie Kolmanova und der Russe Gleb Grosowskij. Den festen Willen, auf der Grundlage eines Studiums der Sozialpädagogik die sozialen Verwerfungen in ihrer Heimat abzumildern, äußern Rita Skridaite aus Litauen und Violeta Nikolić aus Serbien, die beide in Deutschland studieren.
Bei allen Hinweisen auf Sorgen und Nöte gerät ein Urteil der Jugendlichen über ihre Gegenwart in dieser Sammlung von Aufsätzen in OWEP 1/2005 nicht in den Hintergrund, das die Informatikstudentin Nino Tsamalaidse aus Georgien, die der Jugend ein „schweres Leben“ bescheinigt, klar ausspricht: „Mir gefällt meine Zeit. Es passiert so viel Interessantes auf der Welt.“
OST-WEST. Europäische Perspektiven 1/2005 (hg. von Renovabis und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken), Matthias-Grünewald-Verlag, 80 Seiten, Bezugspreis 6,15 Euro pro Heft (Jahresabonnement 18,40 Euro). Zwei Artikel im Volltext finden Sie auf der Homepage der Zeitschrift:
