Wenn Frauen als Ware gehandelt werden

Dienstag, 22. Februar 2005

Fachtagung in Nürnberg zu Formen moderner Sklaverei

NÜRNBERG/FREISING (lu). Im Rechtsraum Europäische Union findet moderner Sklavenhandel statt, diesen Skandal fördert die Debatte um den Missbrauch der Visa-Erteilung zu Tage. Leidtragende sind meist Frauen aus dem Osten Europas. Diese werden beispielsweise unter Versprechungen auf eine reguläre Beschäftigung etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe aus Staaten im Osten Europas in den Westen gelockt, hier aber zwangsprostituiert. Aber auch Arbeitsverhältnisse von Frauen als Au-Pair-Mädchen, Mitarbeiterinnen in der Gastronomie und in Haushalten, die moderner Sklaverei gleichkommen, sind nicht selten.

Unter dem Titel „Moderner Sklavenhandel - mitten unter uns“ behandelt eine Fachtagung diese Problematik am Dienstag, 8. März, von 10 bis 16 Uhr im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg. Dazu laden das Aktionsbündnis gegen Frauenhandel, das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis, die Bamberger Diözesanakademie Caritas-Pirckheimer-Haus sowie die Hanns-Seidel-Stiftung ein.

Über „Weiße Sklavinnen aus Weißrussland“ informiert am Vormittag Irena Gruschevaja vom Malinovka-Beratungszentrum in Minsk. Brigitte Gößmann vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge lenkt den Blick auf „Geschlechterspezifische Verfolgung“ und Herbert Ettengruber vom Ausschuss für Kommunale Fragen und Innere Sicherheit des Bayerischen Landtags stellt politische, rechtliche und polizeiliche Strategien gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei vor. Am Nachmittag schließen sich ein Gespräch mit Lenka Nieblova vom Sozialprojekt Women East Smuggling Trafficking unter dem Titel „Mir ist´s passiert“ sowie zwei Talkrunden an: eine zu Au-Pair-Mädchen als Sklavinnen in Haushalt und Gastronomie sowie eine über Frauen, die zur Zwangsprostitution gezwungen werden.

120.000 Frauen werden jährlich in EU-Staaten verkauft.

Nach Schätzungen von unabhängigen Organisationen werden allein aus Ost- und Südosteuropa pro Jahr rund 120.000 Mädchen und Frauen in die EU-Staaten verkauft, vorwiegend über den Balkan gelangen sie nach Westeuropa. Gehandelt werden Frauen nicht selten für 100 bis 5000 Euro, viele von ihnen sind minderjährig.

Weitere Infos über Renovabis unter Tel. 08161/530945 oder auf dieser Homepage, Rubrik „Über uns“.

Homepage: Aktionsbündnis gegen Frauenhandel

Homepage: Hanns-Seidel-Stiftung

Homepage: Caritas-Pirckheimer-Haus Nürnberg

Anmeldung über die Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in München, Tel. 089/1258215.