“Insellandschaften des Friedens" können Hoffnung vermitteln

Samstag, 04. Dezember 2004

Weihbischof Sudar sieht besondere Aufgabe der “Schulen für Europa" in Bosnien-Herzegowina - Dayton-Abkommen kann Gräben zementie

FREISING/SARAJEVO (lu). Mit dem Dayton-Abkommen von 1995 konnte dank internationaler Intervention ein Schlussstrich unter die Kampfhandlungen in Bosnien-Herzegowina gezogen werden. Doch um die Zukunftschancen und eine tragende Hoffnung steht es bei den rund vier Millionen Menschen in dem Balkan-Staat nach wie vor mehr als schlecht. Dies unterstrich Weihbischof Dr. Pero Sudar von der Erzdiözese Sarajevo in einem Gespräch anlässlich des Partnerschaftstreffens, zu dem das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis rund 200 Gäste in Freising begrüßen konnte.

Als “Insellandschaften des Friedens“ zwischen den in Bosnien-Herzegowina lebenden Angehörigen unterschiedlicher Ethnien sowie Religionen bzw. Konfessionen haben sich aber die “Schulen für Europa“ entwickelt, so der Weihbischof in einer vorsichtigen Zwischenbilanz nach zehn Jahren Arbeit. Doch bereits vor der Schultüre erleben die Jugendlichen in der Regel die Intoleranz und den Hass zwischen den Menschen unterschiedlicher Ethnien und Religionen. Lokale Loyalitäten, so Weihbischof Sudar, sind während des Krieges 1994 zerstört worden und würden heute von Loyalitäten gegenüber Völkern und Flaggen verdrängt. Für mehr Dialog und Toleranz dagegen tritt das Schulkonzept, das Weihbischof Sudar entwickelt hat, konsequent ein.

In den sechs Schulzentren in der Erzdiözese Sarajevo, dessen erstes St. Josef in Sarajevo selbst bildete, beschäftigen sich mittlerweile 4214 Schüler mit den klassischen Sprachen und der klassischen Kultur, um die Wurzeln Europas kennen zu lernen. Die orthodoxen Serben, muslimischen Bosniaken und katholischen Kroaten erlernen in den Schulen, für die Renovabis sowie die Bundesregierung über 3,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben, moderne Fremdsprachen und Informatikkenntnisse, um für die Anforderungen in einem modernen Europa gerüstet zu sein.

Einem Teil der Abiturienten der Schulzentren in Sarajevo, Zenica, Tuzla, Travnik, Konjic und Zepce kann die Erzdiözese Sarajevo mit Hilfe von Renovabis nun Stipendien anbieten, unter der Voraussetzung, dass sie in Bosnien-Herzegowina studieren. Damit will die Erzdiözese als Schulträger einen Beitrag leisten, damit Nachwuchskräfte im eigenen Land eine Zukunft aufbauen können. Und dies ist nötig: mehr als vier Fünftel der Jugend wollen Bosnien-Herzegowina verlassen, zitiert Pero Sudar Daten einer Untersuchung. Angesichts der Teilung des Landes, die durch das Dayton-Abkommen bereits weiter verfestigt worden ist und zementiert zu werden droht, können die Jugendlichen keine Perspektiven ausmachen, klagt der Kirchenvertreter. Daran will er - im Kleinen - etwas ändern.