Menschen brauchen eine Heimat mit Perspektiven

Samstag, 04. Dezember 2004

Menschen brauchen eine Heimat mit Perspektiven

FREISING (lu). Die schwierige Lebenslage von Migranten, die nicht selten unter stärksten äußeren Zwängen ihr Land verlassen und anderswo eine neue Heimat suchen, bildete einen Schwerpunkt beim Renovabis-Partnerschaftstreffen in Freising. Allein rund 60 Millionen Menschen in Europa verlassen ihre Heimat und suchen aufgrund sozialer Not, von Konflikten oder aus eigenem Antrieb ein neues Zuhause in einem anderen Land.

Die tiefgreifenden psychischen Folgen der Migration werden nach Einschätzung des Weihbischofs der Erzdiözese Sarajevo, Dr. Pero Sudar, in der politischen Debatte völlig übersehen. Der 53-Jährige, der selbst während des Bosnienkrieges seine Heimat verlassen musste, bekannte mit Blick auf sein “Asyl“ im Ausland: “In dem Kloster fehlte mir materiell nichts, aber ohne meine Heimat fehlte mir alles.“ Bis heute sei trotz des Abkommens von Dayton ein Drittel der rund 2,7 Millionen Flüchtlinge aus Bosnien aufgrund der Erlebnisse nicht in die angestammte Heimat zurückgekehrt. Mit den “Schulen für Europa“ (siehe eigene Pressemitteilung aus Gespräch mit Weihbischof Sudar) versuche die Kirche, junge serbische Orthodoxe, kroatische Katholiken und muslimische Bosniaken zu Toleranz und Achtung des anderen zu erziehen. Doch die “Inselland-schaften des Friedens“ endeten oft jenseits der “Schulmauern“.

Auf die existenziell bedrohliche Lebenssituation im Süden Weißrusslands, rund 40 Kilometer von Tschernobyl entfernt, machte Pater Korneliusz Konsek SVD aufmerksam. In das Gebiet, dessen Bewohner nach dem Atom-Gau 1986 zwangsevakuiert worden waren, komme bis heute kaum jemand zurück. Und die Menschen, die in unmittelbarer Nähe zum Sperrgebiet leben, würden lediglich von “fahrenden Händlern“ mit dem Allernotwendigsten versorgt. Nur die Liebe zur Heimat habe sie bleiben lassen.

Die hohe Anzahl von Migranten stellt für die katholische Kirche eine Herausforderung dar, unterstrich P. Hans Vöcking Afr. M. vom Rat der Europäischen Bischofskonferenzen. Heute müssten andere Formen der Seelsorge gefunden werden als die der bisherigen “Missionen“, die sich nur um Angehörige eines Volkes kümmerten. Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth CSsR nutzte das Renovabis-Partnerschaftstreffen als Gelegenheit, um den Vertretern der Osteuropa-Partnerschaftsgruppen für ihre Arbeit zu danken. Sie symbolisiere die Bereitschaft zu tätiger Solidarität, so der Chef des Osteuropa-Hilfswerks der Katholiken in Deutschland.

In einer Grußadresse - verbunden mit einem Gebetsanliegen - haben sich die Vertreter der Einen-Welt-Arbeit aus allen Diözesen an die Christen in der Ukraine gewandt. Sie drücken darin ihre “gemeinsame Sorge“ um die Menschen in der schweren innenpoliti-schen Krise aus und artikulieren ihre Hoffnung, dass die Ukrainer ihre Freiheit in demokratischer Selbstbestimmung erhalten. Die für den 26. Dezember 2004 vom Obersten Gericht festgelegte Stichwahl scheint ein großer Schritt in diese Richtung.