Bischof im Verborgenen
Dienstag, 20. Januar 2009
Kardinal Jan Chryzostom Korec vollendet 85. Lebensjahr – Renovabis würdigt slowakischen Altbischof von Nitra
FREISING. In Zeiten der kommunistischen Machthaber wirkte er geheim als Bischof im Untergrund. Viele Menschen in seiner Umgebung kannten ihn nur als einfachen Fabrikarbeiter Jan Chryzostom Korec. Am Donnerstag (22. Januar) vollendet der slowakische Kardinal und Altbischof von Nitra sein 85. Lebensjahr. In seiner Heimat und weit darüber hinaus gilt der Jesuit als Symbolgestalt des christlichen Widerstands gegen das einstige kommunistische Regime in der früheren Tschechoslowakei. Das katholische Osteuropa-Hilfswerk würdigte am Dienstag (20. Januar) das „beeindruckende Glaubenszeugnis“ Korecs und seine Verdienste um den Fortbestand der katholischen Kirche in seiner Heimat. „Ihr unerschütterliches Gottvertrauen und Ihr Heldenmut im Angesicht von Internierungslager, Gefängnis und dunklen Abgründen menschlicher Existenz sind vorbildhaft“, betonte Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Dietger Demuth in Freising. In seiner Amtszeit als Bischof von Nitra zählte Korec zu den Projektpartnern von Renovabis.
Bischof mit Berufsverbot
Kardinal KorecKorec, geboren am 22. Januar 1924 in Bosany, war als junger Theologe im Jesuitenkolleg von Trnava einer Verhaftungswelle der kommunistischen Machthaber zum Opfer gefallen. Die Aktion im Jahr 1950 zielte auf alle Bischöfe, Priester und Ordensleute in der Tschechoslowakei. Gleichzeitig lösten die Kommunisten sämtliche Klöster des Landes auf. Noch im Oktober desselben Jahres wurde Korec geheim zum Priester geweiht und empfing gut sechs Monate später, am 24. August 1951, mit nur 27 Jahren ebenfalls im Geheimen die Bischofsweihe. Sein Bischofsamt übte er während der gesamten kommunistischen Herrschaft nur im Untergrund aus. Erst unmittelbar nach der „Samtenen Revolution“ im November 1989 konnte Korec mit der päpstlichen Ernennung zum Bischof im westslowakischen Nitra sein Amt auch öffentlich wieder wahrnehmen. Zuvor war der Jesuit jahrzehntelang den Schikanen und Verfolgungen der kommunistischen Machthaber ausgesetzt: 1959 wurde Korec, der bis dahin „offiziell“ in einer Fabrik gearbeitet hatte, verhaftet und im Jahr darauf wegen „illegaler“ priesterlicher und „umstürzlerischer“ Tätigkeit zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Von 1960 bis 1968 war Korec inhaftiert, bis er während des „Prager Frühlings“ aus dem Gefängnis entlassen und im Juni 1969 vollständig rehabilitiert wurde. Doch die staatlichen Behörden belegten ihn sehr schnell wieder mit einem Berufsverbot, so dass Korec bis zu seiner Pensionierung einer Tätigkeit als Aufzugsmonteur nachging.
Korec leitete die Diözese Nitra bis Juni 2005. Im Jahr 1991 verlieh ihm Papst Johannes Paul II. die Kardinalswürde. Korec hat seine Erlebnisse in einem autobiographischen Buch mit dem Titel „Die Nacht der Barbaren“ festgehalten. – Allein im Jahr 2008 förderte Renovabis Projekte in der Slowakei in einem Gesamtumfang von knapp 1,4 Millionen Euro.
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