Wenn Muslime, Orthodoxe und Katholiken in einem Krisengebiet miteinander die Schulbank drücken

Donnerstag, 04. November 2004

„Schulen für Europa“ dienen seit zehn Jahren der Friedenserziehung in Bosnien – Förderung durch Renovabis

FREISING/SARAJEWO. Seit zehn Jahren leisten die „Schulen für Europa“ in der Erzdiözese Sarajewo und damit inmitten eines Krisengebietes in Bosnien-Herzegowina, in dem erst das Abkommen von Dayton zwar einen anhaltenden Waffenstillstand, aber doch nur ein Nebeneinander der Angehörigen der verschiedenen Ethnien grundgelegt hat, Erziehung zu Frieden und gegenseitiger Toleranz. Mitte November gedenken die Initiatoren dieser beispielhaften Einrichtungen in Sarajewo in einer Feierstunde der Errichtung dieser zukunftsfördernden Projektarbeit. Das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis hat zur Realisierung der Idee von Weihbischof Dr. Pero Sudar aus Sarajewo einen entscheidenden Beitrag geleistet.

Rund 4000 orthodoxe Serben, muslimische Bosniaken und katholische Kroaten „drücken“ in sechs Schulzentren mit insgesamt 14 Schulen von der Elementarschule bis zum Gymnasium miteinander die Schulbank. Sie erlernen in Sarajewo, Zenica, Tuzla, Travnik, Konjic und Zepce im täglichen Miteinander Vorurteile abzubauen und Respekt vor dem anderen aufzubauen. Angesichts der tiefen emotionalen Gräben zwischen den in Bosnien-Herzegowina lebenden Menschen ein schwieriges Unterfangen.

Über drei Millionen Euro hat die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa in dieses Projekt investiert. Dass die Spendengelder und Kirchensteuermittel aus Deutschland gut investiert sind, belegt die Beispielwirkung. Das Vorbild der Erzdiözese Sarajewo hat bereits in Bosnien und auch darüber hinaus Schule gemacht. In der Diözese Banja Luka realisieren die Barmherzigen Schwestern gemeinsam mit der Bistumsleitung ebenfalls eine weiterführende Schule, die nach dem Vorbild der „Schulen für Europa“ und organisatorisch unter deren Dach Dialog, Toleranz und Respekt vermitteln will – im Alltag, ganz nach dem Prinzip „Learning by doing“. Ebenso soll in Prizren im Kosovo eine weiterführende Schule in Zusammenarbeit mit den Jesuiten entstehen, wo Schüler aller drei Ethnien gemeinsam lernen werden.

Der „geistige Vater“ der „Schulen für Europa“, Weihbischof Sudar, ist den Katholiken in Deutschland für die Hilfe dankbar. Gegenüber Renovabis bekundete er: „Renovabis hilft den Kindern und damit der Zukunft des Friedens und der Kirche in Bosnien und Herzegowina.“