Renate Schmidt: "Wir müssen jungen Menschen eine Chance geben, sich aktiv einzumischen"

Donnerstag, 02. September 2004

Bundesjugendministerin beim 8. Internationalen Kongress von Renovabis - Focus auf der Situation und den Visionen der Jugend in Mittel- und Osteuropa

FREISING (lu). Mehr Möglichkeiten für Jugendliche, die Gesellschaft, aber auch das politische Leben in ganz Europa mitzugestalten, forderte Bundesjugendministerin Renate Schmidt in Freising am Eröffnungstag des 8. Internationalen Kongresses von Renovabis, der Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Nur so könne die Distanz der jungen Menschen zu Europa, zu der Europäischen Union - konkretisiert in „Brüssel“ - abgebaut werden, betonte die Ministerin vor rund 400 Teilnehmern des Kongresses.

Nur so könne es auch gelingen, dass in den „älter werdenden Gesellschaften Europas nicht eine Politik überhand nimmt, die immer mehr an den Interessen der Älteren ausgerichtet ist“, warnte die Politikerin aus Nürnberg. „Die Debatte um Renten wird wichtiger als die über Schulen, Verkehrslärm wird eher akzeptiert als der Lärm von Kindern“, zeigte Renate Schmidt Fehlentwicklungen nicht nur der bundesdeutschen Wirklichkeit auf.

In Deutschland selbst hat ihr Ministerium eine Initiative gestartet, die junge Menschen motivieren soll, sich beim Aufbau von Staat und Gesellschaft einzumischen und damit ihre Anliegen zu Gehör zu bringen.

Für das künftige Europa seien Begegnung und Jugendaustausch unverzichtbar, so die Bundespolitikerin. Als positive Beispiele nannte sie die Tätigkeit des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, des Deutsch-Französischen Jugendwerks, des Deutsch-Tschechischen Koordinierungszentrums wie auch die Anfänge eines deutsch-russischen Jugendbegegnungsprogramms.

Die Projekte, die das Hilfswerk Renovabis für die Jugend in Osteuropa unterstützt, bezeichnete Renate Schmidt als „Beispiele gelebter Solidarität für die Menschen in Ost- und Mitteleuropa“. „Von der Solidarität gibt es zu wenig“, wies sie auf den Wert der Arbeit des Hilfswerks hin. Mit Hilfe von Schulen, Studienstipendien sowie sozialen Einrichtungen für Jugendliche engagiere sich Renovabis für eine funktionierende Bürgergesellschaft.

Am Nachmittag hatte Joachim Kardinal Meisner, der Erzbischof von Köln und Vorsitzende des Trägerkreises von Renovabis, den Internationalen Kongress von Renovabis eröffnet, an dem über 400 Jugendliche und Erwachsene aus insgesamt 25 Nationen teilnehmen. Erstmals ist dem Kongress ein Jugendworkshop vorgeschaltet gewesen, in dem Jugendliche aus acht mittel- und osteuropäischen Staaten ihre Visionen von Europa vorstellten. Zu dem Haus Europa als „Einheit in Vielfalt“ gehören für die jungen Erwachsenen Kultur, Toleranz, Freiheit, Tradition, Glaube, Arbeit und persönliche Perspektiven. Und das Haus Europa sei größer als die EU.